Vorweg: Dieses Buch ist nichts für Menschen die sich schnell ekeln. Hier werden Leichen geschändet oder auch gerne mal verspeist, Menschen gequält und reihenweise getötet. Auch die Erzählweise ist nicht einfach zu lesen. Hauptsächlich geht es in die Vergangenheit zurück, eine Geschichte mündet in die Nächste, eine Randfigur von eben erzählt IHRE Geschichte (bzw. wird die Geschichte später nacherzählt), was wiederum in eine Geschichte mündet. In der Gegenwart entdeckt Paula, dass Phoebe mehr ist als es den Anschein hatte und ihr eigenes verborgenes Wesen. Schließlich endet die Geschichte, wo sie begann, am Sarg von Lincoln.
Dieses Buch ist sicherlich Geschmackssache, einerseits wegen der blutigen Handlung, andererseits wegen der Erzählweise. Doch wer sich auf die Geschichten einlässt, erfährt nicht nur viel über Voodoo und die Grausamkeiten, die Menschen begehen können, sondern wird durch eine interessante Geschichte geführt, die mindestens philosophisch/theologische/moralische Ansätze beinhaltet. Die schlimmsten Grausamkeiten begeht der Mensch, er kann die schlimmste Bestie auf Erden sein, das zeigt das Buch sehr eindringlich. Welch traurige Ironie, dass gerade der Mensch trotz seiner Intelligenz so handelt ...
Der Leser sollte am besten Interesse am Voodoo mitbringen, wird es doch hier recht ausführlich und wahrscheinlich, dank Beratung einer Priesterin, auch kundig beschrieben. Immerhin spielt eine Geschichte zeitweise auf Haiti. Ein wenig Vorkenntnis über den Sezessionskrieg, die wichtigsten Fakten, ist nicht unbedingt notwendig, hilft aber bei der Einordnung.
Spaßig ist die Einbindung der historischen Personen, zum Beispiel Whitman, Lincoln, Edgar Allan Poe und Lord Byron, wobei letzterer etwas holprig eingebaut wurde. Aber Lincoln, als Teil einer okkulten Forschung, genial.
Im gewissen Sinne ein mutiges Buch und es ist Festa zu danken, dass er es verlegt hat. Wer eine „fantastische" Geschichte abseits ausgetretener Pfade lesen will, sollte zugreifen. "Dunkle Engel" ist übrigens locker mit zwei früheren Gruselgeschichten Somtows verknüpft. Die Handlung spielt im gleichen Nord-Amerika, dass etwas anders ist als wir es gelehrt bekommen, wie auch "Ich bin die Dunkelheit" ("Vampire Junction", 1984; später zu einer Serie ausgebaut) und "Wolfsruf" ("Moondance", 1989).
Die Übersetzung scheint trotz des schwer übersetzbaren Erzählstiles der Geschichte gelungen, behindert jedenfalls nicht beim lesen.