*Sie trägt noch das rote Kostüm. Eine Orgie in Rot. Nein, kein Blut. Aber Schuhe, Lippen, Fingernägel - alles eine Aufforderung, die nun ihren Sinn verloren hat. Jenseits der fünfzig muss sie sein. Ihren Zenit hat sie überschritten, konstatiert der Kommissar. Auch die beiden anderen waren nicht mehr taufrisch gewesen.
Sie sitzt auf der Bank. Fast jedenfalls. Nur der Kopf mit den blonden, kaum merklich nachgedunkelten Haaren ist ein wenig zur Seite gesunken. Über dem wütend zerfetzten Kostümstoff, wahrscheinlich Wildseide, halten ihre Hände eine Schnapsflasche. Ein polnischer Wodka, wie Danzik feststellt. Auf ihrem Kopf, auf ihrem quellenden Dekolleté, auf ihrem Schoß hat jemand den Unrat eines vollen Mülleimers ausgeleert: Kippen, Büchsen, Pommes-Schalen, gammelige Äpfel, Plastikbeutel, braune Kompostsoße.
Die rote Lady stinkt. Nach Fusel und Verfaultem.
Die Bank steht neben einem heruntergekommenen, nicht mehr benutzten Toilettenhäuschen. Keine Spuren einer gewaltsamen Tötung. Und doch Gewalt, denkt Danzik. Ein Kübel an maßlosem Hass. Du, elegante, feine Dame, bist nur Müll.
Alles bis ins Detail wie bei den beiden anderen. Die dritte weibliche Bankleiche im Innocentia-Park ...*
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Zum Inhalt:
Die Hauptfigur neben Hauptkommissar Werner Danzik ist Rosita, eine nicht mehr ganz junge "Tango-Queen" in einer Tanzschule. Sie heißt in Wahrheit Hedda und ist die Tochter eines SS-Schergen. Als die falsche Identität ihres Vaters auffliegt und sie von seiner unsagbaren Schuld erfährt, ist sie reif für den Psychiater. Sie kann nicht ahnen, dass der sie behandelnde Hypnose-Arzt ein Holocaust-Überlebender ist ...
Drei wohlhabende, ältere Frauen werden tot auf einer Bank im Hamburger Innocentia-Park gefunden - überhäuft mit Müll. Danziks Freundin, die Medizinjournalistin Laura Flemming, weist ihn darauf hin, dass alle Opfer in einer 'arisierten' Wohnung lebten. Und tatsächlich führen die Spuren in die braune Vergangenheit Deutschlands ...
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Fazit: Um was geht es? Um was schon? Wie in jedem guten Kriminalroman geht es um Leben und Tod - und im speziellen Fall um das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte.
Hört sich alltäglich an? Aber das ist ja das Schreckliche. Denn plötzlich ist der Roman zu Ende und die Milch ist angebrannt oder das Haus ist ausgeraubt, man selber ermordet - und hat es nicht bemerkt.
Ein fesselndes, hoffentlich nachdenklich machendes Buch - Wehret den Anfängen !!
"Es ist ein großer, dramatischer Fehler zu glauben, zu etwas Bösem seien nur böse Menschen fähig." [ Simon Wiesenthal ]
Faszinierend und uneingeschränkt empfehlenswert !!
meint -- Reinhard