Was soll man sagen - einerseits ist es ungewöhnlich, 9 Lieder aus einem Zeitraum von 1982 bis 2005 zu hören. Denn musikalisch und stimmlich verändert sich eine Band nunmal. Doch was bekommt man nun für sein Geld, was sind die Dungeon Tapes?
1. Eyes of Fire: Ein solider mid-tempo Track, der mit satten rockigen Riffs aufwartet. Gut!
2. Ghost from the Battlefield: Ganz ehrlich - ich fand den Song anfangs langweilig; die Riffs eintönig, der Refrain wiederholt sich oft. Aber nach einer Zeit merkt man, dass es einfach zu dem Song-Inhalt passt. Von daher kein Killer-Track, kein Bombast aber auf eine seltsame, meditative Art metallisch. Nit fetzig, aber wenigstens keine schnulzige Ballade ;O)
3. Kill a King: Einer der älteren Songs. Die Stimme klingt schneidiger, gut akzentuiert. Wartet musikalisch mit astreinen 80er Riffs auf. Gut!
4. Lost in the City: Musikalisch OK, aber allein vom Gesang her eher ein Hardrock-Song im Stil der 80er. Für Metaller nur bedingt empfehlenswert. Zum Vergleich: Wer Judas Priest das Turbo-Album nit übel nahm, der kann Medieval Steel wegen diesem und dem folgendem Song auch nit böse sein ;O)
5. Tears in the Rain: Eine Hardrock-Ballade. Für Metaller, wie auch der 4. Song, nur eingeschränkt empfehlenswert.
6. Battle Beyond the Stars: Wiederum ein älterer Song, der sich aber nicht zu verstecken braucht - prägt sich beim ersten Hören vielleicht nicht so ins Hirn. Doch spätestens beim zweiten / dritten Hören stellt sich der Genuss ein: solide Mucke, spacige Story, alles in allem authentischer, früher Power Metal.
7. Echoes: Hier kommt nun die befürchtete schnulzige Ballade - reicht vielleicht, um die Freundin damit zu beeindrucken was für romantische Musik man doch im Player hat. Doch lang wird das kaum ein Metaller aushalten - macht nix, einfach weiterschalten ;O)
8. Warlords: Bereits beim ersten Riff wird klar; Es handelt sich um ein stampfendes 80er Jahre Metal-Vergnügen. Uneingeschränkt empfehlenswert!
Was ham wir bisher? Zwei rockige Songs aus neueren Zeiten (OK), drei solide ältere (2 gut, 1 sehr gut), zwei Hardrock-lastige Songs und eine Ballade zum Abschrecken - hält sich bislang die Waage, wofür also fünf Sterne? DAFÜR:
9. Medieval Steel: Wer den Song nit kennt, hat was verpasst. War der achte Song schon klasse, wirds jetzt episch! Ein beispielhaftes Intro eröffnet das Spektakel, die Lead-Gitarre stimmt mit einer sich durch die Ohren direkt ins Herz fressende Melodie ein, danach erstmal Abkühlung: Der erste Vers umreißt die Handlung und bringt erstmal Ruhe ins Spiel - bis zum Refrain. Langsam aber sicher stampft der sich von Largo bis Andante vivace (zu deutsch: erst träge, dann lebhaft). Begriffe aus der klassischen Musik sind hier übrigens angebracht, denn nichts minder ist diese Hymne. Wer 80er Jahre Metal und einer hohen Stimmlage was abgewinnen kann, wird diesen Song lieben lernen!
Natürlich verblassen die übrigen Songs erstmal nach dem grandiosen Finale. Aber hat man sich erstmal (vorübergehend) satt gehört an dem neunten Song liefern die übrigen eine willkommene Abwechslung. Daher ist das Album nicht nur ausgewogen sondern trotz einiger nit 100%ig SCHWERmetallischer Songs durchaus ein hoher Suchtfaktor für Schwermetallblüter.
HAIL and KILL!