Elf Jahre nach den Ereignissen in "Der Wüstenplanet" sehen wir im zweiten Band des Dune-Zyklus Paul Atreides, oder auch Muad'dib als Herrscher des galaktischen Imperiums, der mit eiserner Hand regiert und das Gewürzmonopol verwaltet. Große Macht bringt auch große Abneigung mit sich, und so ist es kein Wunder, dass die übriggebliebenen Mächte, die nun in Sachen Gewürzkonsum durch die Finger schauen, den Sturz des Kaisers planen.
Der zweite Teil wird von vielen Fans oft ziemlich geschmäht, weil er nicht nur mit dem Umfang der anderen Bücher nicht mithalten kann, sondern auch aus Paul Muad'dib, dem Helden aus dem Vorgänger, einen Tyrannen wider Willen macht. Und ich finde das schlichtweg genial. Zu keinem Zeitpunkt im Buch hatte ich das Gefühl, dass die Entwicklung von Paul unrealistisch gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Bereits im ersten Buch kündigt er an, dass er gehasst werden wird, und das zweite Buch zeigt nun einfach, wohin die Macht ihn getrieben hat. Er ist immer noch der clevere, charismatische Anführer, den wir kennengelernt haben, aber seine Machtposition wirft nun eindeutig ein anderes Licht auf ihn. Was er selbst vorausgesehen hat, ist schlussendlich eingetreten, und so erleben wir die letzten Tage des Muad'dib.
Mir ist völlig unverständlich, wie Brian Herbert und Kevin J. Anderson, die das Dune-Universum mit unzähligen Nachfolgern, Vorgängern und Zwischentiteln ausbauen, den Wandel von Paul Atreides vom strahlenden Saubermann zum überbösen Tyrann in einem eigenen Buch schildern wollen (am 4. Januar bei Heyne als "Der Wüstenplanet: Paul Atreides" erschienen), wenn zum einen kein Wandel vom Weißen ins Schwarze stattgefunden hat und zum anderen diese Entwicklung perfekt in "Der Herr des Wüstenplaneten" gezeigt wird. Genau das ist auch der Reiz der Geschichte.
Neben besseren Einblicken in die Strukturen und der Politik eines auf Religion gestützten Imperiums bekommen wir auch eine schön ausgearbeitete Intrigengeschichte vorgesetzt. Seht dieses Buch nicht als Nachfolger, sondern eher als vierten Teil des ersten Buches bzw. eine notwendige Brücke zum ebenfalls brillanten "Die Kinder des Wüstenplaneten".
Simon Jäger und Marianne Rosenberg sprechen auch das zweite Hörbuch. Jürgen Prochnows Gastspiel endet mit dem ersten Teil, und so gut mir auch seine Darstellung gefallen hat muss ich eingestehen, dass ich ihn nicht sonderlich vermisst habe. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Hörbuch!