Arrakis, der Wüstenplanet, ist die einzige Quelle der Gewürzdroge Melange, dem wohl wichtigsten Rohstoff im Universum. Die Atreides, eines der Adelshäuser aus dem intergalaktischen, feudalen Imperium bekommt Arrakis als Lehen, was sie zum mächtigsten, aber auch angreifbarsten Haus im Landsraad macht. Ein Geschenk, oder ein fein gesponnenes Komplott? Der Plan der Gegner scheint perfekt, doch sie haben nicht mit dem jungen Paul Atreides gerechnet, der Hilfe bei den Eingeborenen des Wüstenplaneten sucht und das Machtspiel der Adeligen umzudrehen scheint.
Schon im ersten Teil des Dune-Zyklus spinnt Frank Herbert ein unglaubliches Netzwerk an Intrigen und Handlungssträngen. Gemäß dem Prinzip, "Pläne in Plänen" zu verstecken lässt Herbert verschiedene Handlungen in einem groß angelegten Plot zusammenlaufen. Im Vergleich zu späteren Werken kann aber hier auch noch die Geschichte genug überzeugen, um den "Wüstenplanet" neben den semireligiösen und politischen Ansichten, die in ausufernden Dialogen zum Besten gegeben werden auch für die lesenswert zu machen, die mit Frank Herberts Weltanschauung nicht viel anfangen können.
Jedes Mal, wenn ich den Wüstenplanet erneut lese bzw. höre fällt mir auf, wie clever und gewitzt die Charaktere doch sind. Die Hauptcharaktere lassen sich schwer in die Irre führen, durchschauen jedes Komplott und wissen auch, wann sie mitspielen müssen um ihren Status im System weiter zu gewähren. Und nebenbei schmieden sie noch eigene Pläne. Gerade dieses Spiel der Mächte ist unglaublich spannend und für mich eines der Highlights im Roman und sorgt auch dafür, dass es keine Schwarz-Weiß-Malerei bei den Charakteren gibt. Jeder hat seine Motivation, jeder hat seine Ziele und jeder will dafür sorgen, dass er am Ende auch zu diesen gelangt. Dass man da natürlich anderen Mächten in die Quere kommt ist vorprogrammiert.
Neben der Gestaltung der Großmächte hat Herbert auch viel Zeit in die detaillierte Ausarbeitung der Fremenkultur investiert. Dieses Volk der Wüstenbewohner wird brillant geschildert, so dass man deren Bräuche und Rituale nicht nur beobachten darf, sondern sie auch zu verstehen lernt. Die Umgebung wirkt sich auf den Umgang mit seinen Mitmenschen aus, und extreme Bedingungen sorgen für extreme Maßnahmen, wie der Autor eindrucksvoll zeigt.
Das Hörbuch wurde von Simon Jäger und Jürgen Prochnow eingesprochen. Während Jäger erfahrener Synchronsprecher und Hörbuchleser ist, ist es für Prochnow eine Premiere, der wohl hauptsächlich deshalb mit von der Partie ist, weil er in der Verfilmung von 1984 die Rolle des Leto Atreides übernahm. Beide machen ihre Arbeit unglaublich gut und verleihen den beiden Perspektiven der Protagonisten und Antagonisten einen entsprechend eigenen Touch. Auch kann ich der Kritik an Marianne Rosenberg, der Leserin der Einleitungstexte, nicht zustimmen. Für die spontane Entscheidung, bei dem Projekt mitzumachen, macht sie ihre Sache hervorragend. Natürlich kann man sich daran stören, dass viele fiktive Ausdrücke im Laufe der Geschichte leicht ihre Aussprache ändern, aber auch da drücke ich angesichts des unglaublichen Umfangs ein Auge zu. Immerhin hat man auch dafür gesorgt, dass die Anhänge ihren Platz im Hörbuch finden. Sei es als Text in den schmucken Pappschachteln. oder als Bonus-CD.
Das einzige, was ich nicht ganz verstehen kann ist die Entscheidung, das Hörbuch auf zwei Teile aufzuteilen. Der Grund dürfte wohl verkaufstechnischer Natur sein, dem geneigten Käufer sei aber gesagt, dass er ohne den anderen Teil nicht viel mit dem Hörbuch anfangen kann.
Ansonsten lohnt es sich auf alle Fälle. Die Qualität der Aufnahmen und die Leistung der Sprecher ist herausragend. Die Aufmachung des Covers ist, mal abgesehen vom leichten 70er Jahre Einschlag, ebenfalls sehr gelungen, und selbst der kitschige Soundtrack geht spätestens nach der dritten CD nicht mehr aus dem Kopf.