Mich ärgert an diesem Buch, dass der Autor Titel und Untertitel offensichtlich nur zwecks der Verkaufsförderung gewählt hat. Bei einem Untertitel "...wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen.." kann man doch erwarten, dass der Autor darlegt, wie denn das geschieht.
Macht er aber nicht. Ist auch logisch, weil der Autor in der zweiten Zeile seines Vorwortes schreibt "Ich liebe das Internet, und ich kann mir nur schwer vorstellen, länger als ein paar Tage darauf verzichten zu müssen".
Und seine Aussage aus dem Untertitel relativiert er auf der gleichen Seite und meint eigentlich:
" Kultur meint hier abendländische Kultur, in anderen Worten: Zivilisation, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen,...bla, bla.
Sorry, kann der Autor, der auch ein Buch mit dem Titel "KLARDEUTSCH" geschrieben hat, nicht einfach klar und deutlich sagen: ICH arbeitet als Dozent in der Aus- und Weiterbildung von Journalisten an mehreren Journalisten-Akademien (Zitat aus seiner Homepage) und bin einfach für die Erhaltung des "Qualitätsjournalismus" und seiner ihn bisher finanzierenden Verlage? Ist doch nicht schlimm. Ist doch ehrenwert.
Stattdessen "hetorik". Klar, das kann Herr Reiter. Ist aber sehr leicht zu durchschauen.
Beispiel: Zitat S.9 "Wir haben es in der Diskussion um das Internet mit einem Machtkampf zu tun. Die Vertreter der traditionellen Medien wollen ihren Einfluss behalten. Die Vertreter des neuen Mediums wollen selbst in die Machtposition vorstoßen. Also ringen beide Seiten um die Definitionshoheit. Das ist wichtig zu wissen, um den Feuereifer zu versehen, mit denen die Missionare des Internets Ihre Glaubenssätze verteidigen."
Richtig ist, dass es in der Tat ein Machtkampf ist. Bei dem vor allem die eine Seite sehr, sehr viel Geld verliert oder verlieren kann.
Aber dann nur die Seite der "Internet-Apologeten" mit den Begriffe "Pathos", "Glauben", "Apostel", "Missionar" zu belegen, ist lächerlich und einseitig.
Im Grunde geht es doch darum, dass ein lange erfolgreiches Geschäftsmodell bedroht ist, und dass Leute wie Herr Reiter die von diesem Geschäftsmodell leben, einfach versuchen dieses Modell zu retten.
Und eine Methode ist halt der Versuch, Angst vor dem "Gegner" zu erzeugen. Was mich nicht überzeugt. Übrig bleibt der schale Geschmack, mit einem provokanten Titel zum Kauf verleitet worden zu sein.