Oktober 1941 - vor über 70 Jahren! - brachte Disneys Star Ben Sharpsteen (Pinocchio) den kleinen Elefanten als vierten abendfüllenden Trickfilm in die Kinos. Aber Disneys Focus lag auf Bambi - bei Dumbo wurde gespart: die Disney-Spezialistin Paula Sigman schimpfte den 813.000 Dollar teuren Ein-Stunden-Film sogar eine "Silly Symphony".
Hier wird man eben geteilter Ansicht sein. Dem einen gefällt die typische Disney-Musik, es gab sogar einen Oscar, andere finden sie nervig. Die "betrunkene" Traum-Szene erscheint den einen als "künstlerisch wertvoll", andere finden sie billig animiert und langweilig. Fest steht: "Dumbo" spielte seine Produktionskosten locker zweimal ein und war einer der großen Disney-Erfolge der damaligen Zeit. Irgend etwas muss das Publikum also schon fasziniert haben.
Ein kurzer Blick aufs Cover sagt alles über die Idee des Films - der kleine Dumbo hat Elefantenohren der dritten Art. Dauernd stolpert er darüber und macht seinem Zirkus Schande. Seine Mutter wird sogar eingesperrt, nachdem sie den kleinen Dumbo einmal etwas zu nachdrücklich verteidigt hat.
Bald hat Dumbo nur noch seinen besten Freund, eine kleine Maus. Mit der wacht er nach einer "durchzechten" Nacht hoch auf einem Baum auf. Plötzlich wird es klar: Dumbo muss fliegen können!
Das gute Ende kommt jedenfalls nach langem Tränendrücken wie im Flug.
Doch vorher gibt es auch einige Schmankerln zu bewundern. Wie stets dürfen die Elefanten sich ordentlich quetschen und falten lassen. Dem will die süße, kleine Zirkus-Eisenbahn nicht nachstehen - für den Rezensenten die süßeste Passage des Films. Und es gibt viele, viele rührende Szenen, wie z.B. Dumbos Besuch bei seiner eingekerkerten und in Ketten gelegten Mutter.
Alles in allem werden Disney-Fans also ganz sicher nicht enttäuscht. Die Animation hat das gewohnt hohe Niveau. Und die Geschichte tröstet unübersehbar uns alle, die wir mit kleinen körperlichen Fehlern auf die Welt kommen: Was einen jetzt noch so stört, kann schon morgen Flügel verleihen.
Der Film kommt im Format 4:3, aber in brillianter Bildqualität und satten Farben, und in - bezogen auf die Zeit - noch ordentlichem Ton, wahlweise in Deutsch oder Englisch.
Diese Sammel-Ausgabe, Bestandteil der aus 12 ausgesuchten Filmen bestehenden Reihe "Süddeutsche Zeitung Junge Cinemathek", kommt in einem 4-teiligen Faltkarton, der gleichzeitig zur Dokumentation des Films dient.
Nicht elefantös, aber doch noch nette Disney-Unterhaltung aus der Zeit, da die Elefanten fliegen und die Bilder laufen lernten.
film-jury 4* A0777 30.10.2011eg 10A ABR 36.371 Genre: Zeichentrick | Familie | Musical