INTRO
Ein Dutzend Musiker, noch mehr Gastmusiker, ein kleines rumänisches Dorf namens Clejani, unweit Bukarest, eine Tonne Spielvergnügen und Geschichten über Ernten, schlechte Ernten, Beerdigungen, Erlebnisse mit Nachbarn, schlechte Zeiten, nicht so schlechte Zeiten, Geschichten der Roma und Sinti, traditionelle Instrumentierung, leidenschaftliche Gesangseskapaden. Nach "Musique Des Tsiganes De Roumanie" und "Honourable Brigands, Magic Horses And Evil Eye" ist das familiäre Musikerensemble aus der rumänischen Provinz mit einem neuen Album auf dem Weg, ihre Heimat in alle Welt zu exportieren. Die Überzeugung ist in jedem Ton, eine unbekümmerte Traditionsverbundenheit läßt das Album schnell privat werden, Live-Mitschnitte voller Stecknadelstille im Publikum malen das eindrucksvolle Bild einer einnehmend ehrlichen Musikperformance, deren Ecken und Kanten runtergehen wie Fenchelhonig bei überstrapazierter Stimme. Himmel, da lebt ein "Orchester aus Wegelagerern", da erzählen sich Musiker aus ihrem Leben, wissen sowieso schon alles voneinander und können so schon vorher drüber lachen. Sich auf die Musik einzulassen ist zwar Voraussetzung, aber auch nicht schwer. Einmal geschafft, möchte man von den 20 bis 78 Jahre zählenden Musikern, die heute die ganze Welt bereisen, mit YEHUDI MENUHIN spielten und kürzlich mit dem KRONOS QUARTETT auf der Bühne standen, mehr haben, denn sie geben Musik weiter, leben von ihr und vermitteln ihren Lebensstil, der vor Alltäglichkeiten strotzt und schwerelos in musikalische Virtuosität umgewandelt wird. Mit der eingefangenen Atmosphäre ihres Dorfes im Hintergrund wird "Dumbala Dumba" zum ehrlichsten Album dieser Ausgabe - macht aus dieser Formulierung, was Ihr wollt.
Carsten Sandkämper / © Intro - Musik & so
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Blue Rhythm (06/98)
Für ihr drittes Album haben die rumänschen Zigeunermusiker zahlreiche Gäste eingeladen: Da hören wir einerseits die Stimme von Viorica, einer Sängerin, deren Melisma gefühlstrunken den Schmerz nicht mehr von der Ekstase scheidet. Lautari - Mitglieder der traditionellen Musikerkaste - des Dorfes Mirsa improvisieren ihr lebhaftes Ruf-und-Antwort-Spiel: alltägliche Tragödien, witzig verpackt. Die dritte Gruppe von Mitwirkenden, Napoleon und seine Freunde, entstammen der sozial verachteten Bruderschaft der Bärenzähmer. Da sie zu arm sind, um Musiker zu bezahlen, spielen sie ihre Songs auf Fässern, Stühlen, Löffeln... Zu einer Zeit, da bereits elektronische Orgeln und Trommeln Einzug in manche Songs der rumänischen Zigeuner gefunden haben, pendeln Taraf de Haidouks zwischen jahrhundertealten musikalischen Mustern und frecher Improvisation. So werden selbst die Geschichten der Balladen von ihnen auf den neuesten Stand gebracht, traditionelle Dorftänze mit türkischen, serbischen und bulgarischen Rhythmen aufgemotzt.
© Blue Rhythm - Jonathan Fischer