Der sympathische Looser Heiner Himmel schliddert ungebremst in seinen zweiten Fall - doch lassen wir ihn doch am besten in seinen eigenen Worten berichten:
"Kennen Sie das? Bestimmt kennen Sie das. Sie denken, sie hätten beim Abstieg die letzte Stufe der Treppe erreicht, treten einen Schritt vor und hoppla, die letzte Stufe war es doch noch nicht. Es kam noch eine. Sie erschrecken, straucheln, können sich gerade noch halten und sind froh nicht mit der Nase irgendwo aufgeschlagen zu sein. Herzrasen auf dem Boden der Tatsachen.
Genau so erging es mir, nachdem es mit der Ich-AG nicht so geklappt hatte. Da denkste, du wärst auf der untersten Stufe angelangt und was kommt? Hartz IV. Okay, wenn man was lernt in rund 44 Jahren Leben ohne sich umzubringen (bescheidenes Elternhaus, mittelmäßiger Job, merkwürdiger Eheverlauf, zur Scheidung verurteilt, in eine Umschulung genötigt), dann ist es Anpassung. Haste was, dann isste was. Ist der Kühlschrank leer, spiegelt der Magen es wider. Kann man als Single mit leben, eine Weile zumindest.
Dann gibt es da den tollen Spruch, den sich nur hoffnungslose Optimisten übers Bett hängen - wenn man ganz unten ist, könne es nur noch nach oben gehen. Ja, doch, auch bei mir ging es nach oben. Ich ergatterte einen Ein-Euro-Job. Der war nicht von Dauer und obendrauf erhielt ich die Wohnungskündigung wegen Eigenbedarf. Nach meinem Bedarf fragte schon lange keiner mehr.
Richtig bergauf ging es aber auch noch. Das muss man wörtlich nehmen. Ich bekam einen Aushilfsjob auf einer Burg als Lakai. Die Jugendherberge heißt treffend: Freusburg. Die Freude war groß, die Sache hatte nur einen Haken, ich sollte gleichzeitig auf ein Mädchen aufpassen, das Bewährung hatte. Ja, liebe Frauen, ich kenne auch den Spruch, ein Mann könne nie mehr als ein Ding gleichzeitig tun. Gestehe, die Sache mit dem Mädchen lief zeitweise aus dem Ruder ...
War es Mord oder nicht und wenn, wer wurde von der Burgmauer gestoßen und habe ich das überhaupt richtig wahrgenommen? Mein innerer Freund Kalle hatte da von Anfang an mehr kriminelle Phantasie. Einiges stieg mir in die Nase, wie die vielen Duftstoffe, die ich zu testen hatte. Es gab da die ein oder andere Auswirkung auf beiderlei Geschlecht. Dann bekam ich es auf die Nase, wieder unwillentlich. Eine historische Holztür ist tatsächlich so hart wie sie aussieht.
So geriet ich in meiner zweiten Verwicklung mitten hinein in die Vorbereitungen auf der Burg zu einer Begegnung zwischen Mittelalter und Mittelerde, zwischen Liebe und Eifersucht, zwischen 'haben' und 'hätte gern'.
Kennen Sie das? Sie begegnen jemandem von dem Sie später sagen, dass Sie ihn nicht riechen können. Ich glaube, es ist was dran, dass die Nase über Sympathien entscheidet ..."
Fazit: Ich jedenfalls freue mich auf die weiteren Verwicklungen des Heiner Himmel ... Sehr empfehlenswert !
Es grüßt - Reinhard Busse