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Kundenrezensionen

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am 26. Oktober 2009
Ein weiteres Buch auf der "Suche nach der verlorenen Zeit". Im Gegensatz zu Rosa (Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne) sieht Han das Problem weniger in der Beschleunigung der gesellschaftlichen Prozesse als in ihrer Richtungslosigkeit. Der Verlust von Sinn und Mitte lässt das narrative Kontinuum der linearen Geschichte in beziehungslose, atomisierte Zeit-Punkte zerbröseln, die ziellos durch den Raum schwirren...

Weniger soziologisch als philosophisch orientiert setzt sich Han mit postmodernen Theoretikern wie Lyotard oder Baudrillard auseinander und lädt dazu ein, sich wieder mehr auf Heidegger zu besinnen. Es gibt einen Exkurs ins alte China und nicht von ungefähr kommt auch Marcel Proust zu Wort. Am Ende steht ein Plädoyer zugunsten der "Vita contemplativa" gegenüber der von Hannah Arendt und anderen propagierten "Vita activa".

Ein wohltuendes Buch, sicher kein Allheilmittel gegen die Zeitkrise, deren Ursachen sein Autor vielleicht nicht besser als andere diagnostiziert, aber eine Einladung zum Verweilen, Wohlgerüche wirken zu lassen, mitunter genauer hinzuhören, was manche Worte zu sagen haben - gerade die Heidegger-Zitate ließen mich mehrmals aufhorchen - und nicht zuletzt ein freundliches Buch, denn "das kontemplative Verweilen ist eine Praxis der Freundlichkeit". (B.C. Han)
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am 24. September 2014
Nicht als akademisch orientierter Philosoph, sondern als lebenspraktisch interessierter "Anwender" habe ich mit mich mit dem "philosophischen Essay zur Kunst des Verweilens" befasst. Seine zentrale These, dass die Beschleunigung mehr Symptom denn Grundlage von Sinn- und Zeitverlust moderner Existenzen ist, entwickelt der Autor überzeugend, in einer Sprache von hinreißender Sensibilität und Potenz. Gedankliche (Vor)Arbeit von Aristoteles, Thomas von Aquin, Hegel, Proust, Heidegger bis zu Hannah Arendt ist bereichernd eingearbeitet.

Mit prägend für das Werk ist seine Disziplin in der Verdichtung. Im hohen Flug der Abstraktion breitet der Autor seine Thesen in fast exakt gleich langen Kapiteln von jeweils nur wenigen Seiten aus. Eine animierende Form, weil sie viel Raum bietet zum selber Weiterdenken, zum Herunterbrechen auf die eigene Lebenserfahrung und Lebensbeobachtung. Am Ende entstand mir der Eindruck, dass die abgehandelten Begriffe etwas sehr groß für die sehr kurzen Kapitelabrisse geworden waren. Die Versöhnung und Verbindung der "vita activa" mit der "vita contemplativa" gerät zum schlichten - wahrlich nicht neuen - Axiom. Wie sie unter den gesellschaftlichen und ökonomischen Lebensbedingungen unserer Gegenwart gelingen kann, bleibt als zentrale Frage unangetastet. Seither denke ich viel darüber nach - womit sich diese Leerstelle des Essays vielleicht ja wiederum als Stärke erwiesen hat.
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Byung-Chul Han stellt sich gegen die vielbeschworene Beschleunigungstheorie der Moderne. Denn Beschleunigung würde bedeuten, dass ein Ziel besteht, an das man schneller gelangen möchte. Diese Diagnose lässt sich jedoch nicht stellen, wenn man die Phänomene der Moderne genauer anschaut.
Der Philosoph und Anthropologe, diesen Titel könnte man ihm geben, macht zu seinem Ausgangspunkt die Idee der vita activa und vita contemplative, wie sie Hannah Arendt vorgestellt hat. Die Trennung dieser beiden Seins- oder Handelsweisen des Menschen führte dazu, dass der Mensch sich nur noch als aninal laborans verstand, oder dazu gemacht wurde. Der Mensch erholt sich, um arbeiten zu können. Von Beginn der Philosophie an, etwa bei Aristotles, findet sich ein anderes Verständnis. Die Muße, griechisch scholé, war nicht das Gegenteil von Arbeit, sondern das Verständnis vom Sein auf dieser Welt. Der Denkende war das Ziel der Philosophie und Muße war nicht mit reinem Faulenzen gleichzusetzen.
Da das Kontemplative mit den Mitteln einer technischen oder naturwissenschaftlichen Sprache nicht wirklich zu fassen ist, sucht Byung-Chul Han die Antworten mehr im Poetischen und Literarischen. Auch bei der Auseinandersetzung mit Heidegger greift er auf die dichterischen Formulierungen zurück.
Die Beschleunigung, wenn man bei dieser Vokabel bleiben will, nahm ihren Beginn mit der protestantischen Ethik und der Entwicklung der Dampfmaschine. Doch es geht dabei nicht um ein schnelleres Produzieren allein, sondern um die Defaktizierung. Die Geschichte verliert ihre Geschichten, das Narrative verschwindet. Der Einzelne wird ganz auf sich zurückgeworfen, denn nur dort könnte er noch so etwas wie Identität finden.
Byung-Chul Han leistet keine einfache Kritik der Postmoderne, er stellt einen Entwicklungsverlauf dar und verlangt vom Leser eine Aussteigen aus seinen bisherigen Bezügen, um den Duft der Zeit riechen zu können. Vielleicht liegt darin sogar der entscheidende Hinweis. Mit dem Geruch sind immer auch Erinnerungen verbunden und riechen kann man nur, wenn man sich Zeit für das Riechen nimmt, dann durchwebt der Vorgang des Riechens das aktive Leben und man spürt, wie sehr das Aktive und Passive durch unsere Kunst des Kontemplativen verbunden ist.
Ein äußerst lohnenswertes Buch für Menschen, die noch zur Schule (schole) gehen.
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am 19. Mai 2016
Das Inhalt ist lesenswert, wie Sie sicherlich von fachkündigere Rezensenten entnehmen können.

Hir geht es mir um die Unverchämtheit des Verlages: ein broschiertes, dünnes Buch wird für fast 16€ vekauft und dabei ist das Buch nicht mal scharf gedruckt.

Naja, kann man sagen: wenn das gedruckte mir die haptische und optische Qualitäten des gedrucktes nicht mehr gibt, dann steige ich um zum e-Book. Aber Hallo! Das E-Book kostet seinerseits fast 14€! Wenn die Verläge (und Amazon) nicht verstehen was diese Preis und (Mängel)Qualitätslogik bedeutet, dann sollten sie sich nicht wundern, dass die Leser Alternativen suchen, wie schon früher mit der Musik.
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am 17. Dezember 2011
"Und die Zeit strömt
von Osten nach Westen
mit Mondgeschwindigkeit."
(Tomas Tranströmer)

Wie oft können wir in Gesprächen hören: Das Jahr ist so schnell vergangen! Wie kann das nur? Denken für und wider die Zeit ist eine Aufgabe, die sich dieser Verlag widmet und er fand mit Byung-Chul Han, Professor für Philosophie, einen brillanten Erklärer der Kunst des neuen Verweilens. Denn für ihn ist alles eine Erzählung, in der die mythische und geschichtliche Zeit (vgl Mircea Eliade; Kosmos und Geschichte: Der Mythos der Ewigen Wiederkehr) mit ihrer narrativen Deutlichkeit gegen eine Zeit des Schwirrens steht, in der einzelne Bezugspunkte zwar Erlebnisinhalt haben aber keinen Zusammenhang. Die Versuche in der Zeit der Optionen, Leben als Sprung zu leben, um nichts zu verpassen, entziehen zugleich dem einzelnen Tun ein Gefühl der Dauer und verzichten auf jeden Kontext.

Das allzu starke Bestreben im "vita activa", sich als Dauerbeschäftigter zu beweisen, entzieht dem Selbst jene notwendige (Selbst-)Zuwendung, die sich im "vita contemplativa" herausbildet. Vom Imperativ der Fremdbestimmung oder -Überredung will Han zurückführen auf einen Imperativ der wahren Welt und des bestimmenden Selbst. Er möchte nicht mehr die Fülle der Zeit, sondern die Erfüllung in ihr. Daraus folgt, dass nicht die unabhängigen Erlebnisorte - in Hast und Eile phlegmatisch besucht - das Leben bestimmen sollen, sondern die Kunst des Verweilens eine neue Bedeutung gewinnt. Er begibt sich in die Richtung der Proust'schen wiedergefundenen Zeit, die auch eine Zeit der langen Weile ist, eine, der man das Schnelle, Neue, Fremde entzogen hat. Proust Strategie der Dauer lässt die Zeit duften. Sie macht wieder klar, dass man geschichtlich existiert, dass man einen Lebenslauf hat.

Nach Nietzsches Zarathustra ist die Richtungslosigkeit, die Orientierungslosigkeit der verirrten Zeit nur um den Preis von Flucht und Wille, sich selbst zu vergessen, zu haben. Für ihn gilt, wer an das Leben glaubt, gibt sich nicht dem zufälligen Augenblicke allein hin, sondern sucht eben seine Bezugspunkte, die die Zeit des Verweilens ohne Blödmaschinen bieten, um zu leben und sinnvoll zu genießen, in dem man nach Proust, Erinnerung und Wiedererweckung im "betörenden Duft der Zeit" als eine "Freundlichkeit des Seins" erfährt.

Als Wilhelm Genazino 2004 den Büchner-Preis bekam, bezog er seine Dankesrede eben auf den Namensgeber des Preises, insbesondere war sein Leitspruch: Finger weg von unserer Langeweile. Mit Leonce und Lena führt er bravourös in den leeren Raum, den diese Langeweile bietet, um ihn mit aller Phantasie zu füllen. Er erklärt jeden Erlebnisplaner zum Feind. Denn für ihn wie für Büchner gibt es kein Leiden an der Langeweile. Bei Büchner wird Langeweile nicht vertrieben, sondern angenommen. Langeweile bei Büchner ist akzeptierte Nutzlosigkeit, die beim Subjekt bleibt, wie es auch dem einsamen Spaziergänger Rousseau ein Anliegen war.

Diesen Weg zum besinnlichen Leben geht Han nun auch. Und er findet sogar Zuspruch in den letzten Zeilen von Hannah Arendt, die zwar das "vita activa" in den Vordergrund stellt, doch am Ende nicht verschweigen kann, dass das Denken der Wenigen dem "vita contemplativa" entspricht und Han stellt fest, dass das "animal laborans" nicht zu denken vermag während der Tätigkeit. Daher plädiert er für die Zeit des Verweilens, für die kreative Langeweile und der Rezensent erinnert gern an Pascal, der feststellte, dass nur aus einer Position der Ruhe sich die Bewegung der anderen, der Welt und auch die darin Ruhenden sichtbar werden. Thomas von Aquin befand das Leben gar ohne jeden kontemplativen Moment als verarmt. Aber nicht nur die genannten sind beratend, vor allem denkt Han an Heideggers Philosophie entlang, findet Spuren in der Religionssoziologie eines Max Webers, Interessantes im Verhältnis zum Kapitalismus, wie Marx ihn sah und wie Weber ihn aus dem Geist des Protestantismus entstehen sah. In allem lässt sich die Gegenüberstellung der beiden Lebenskonzepte finden und doch auch die Quintessenz: "Die vita contemplativa ohne Handlung ist blind. Die vita activa ohne Kontemplation ist leer." Oder: "Arbeit und Ruhe gehören zusammen wie Auge und Lid."(Rabindranath Tagore)

Festzustellen bleibt, dass eben jede Art von Kontemplation, von Verweilen, von wahrhaft Aufnehmen, die Zeit in ihrer Quantität (Fülle) in den Modus der Qualität (Erfüllung) hebt und den Menschen selbst in seinem Charakter bildet, wenn "das beschauliche Element in großem Masse" (Nietzsche) verstärkt wird.

Insgesamt ein lesenswertes Buch, kurzweilig und auf der Höhe der Zeit. Advent ist so eine Zeit des Wartens und der Besinnung. Und: man lernt so nebenbei genügend über Heideggers "Sein und Zeit" und ebenso en passent über Marcels Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit".
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am 1. Juni 2015
Im kurzweiligen Essay des in Seoul geborenen und an der Universität Berlin lehrenden Philosophen Byung-Chul Han führt der Autor die These seines wohl bekanntesten Werkes, die Müdigkeitsgesellschaft, weiter, indem er die Wahrnehmung der Zeit in unserer postmodernen Gesellschaft analysiert und kritisiert.
Durch das Abhandenkommen jeglicher Richtung und Orientierung (sowohl eschatologischer als auch teleologischer Natur) in der Wahrnehmung der Zeit wird diese zu einer inhaltlosen Abfolge punktueller Bilder und Handlugen, wobei die dazwischenliegende Zeit zu einem reinen leeren Warten wird. Um diesem horror vacui zu entgehen, fällt man in eine Spirale einer tödlichen Hyperaktivität, wobei der empfundenen Leere mit einer andauernden Folge von Konsumerlebnissen entgegenzuwirken versucht wird. Dies führt zu einer Beschleunigung, einem leeren Fluss von Bildern und Adrenalin, der dem Empfinden jedoch nicht entgegenzuwirken vermag.
Einzige Mittel, den Teufelskreis zu durchbrechen sind nach Ansicht des Autors otium und die Rückkehr zu einer vita contemplativa sind Hierbei werden (mit Verweis auf Proust) die heute nicht mehr zeitgemäßen Duftwahrnehmungen den schnellen Bildabfolgen gegenübergestellt, welche kein kontemplatives Verweilen mehr ermöglichen.
Dieses Plädoyer des Verweilens, des Entschleunigens des Lebens trifft hierbei voll den Nerv der Zeit und ist (vor allem für akut am burn out Syndrom gefährdete Leser) absolut empfehlenswert.
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am 1. Mai 2016
Da ist so viel drinnen in diesem Büchlein, habe es schon 2 Mal gelesen. Es inspiriert, regt zu Veränderungen an, bestärkt innere Intuitionen und Sichtweisen. Wunderschön. Danke an den Autor!
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am 13. September 2014
Sollte am besten jeder mal lesen, um sich über eigene Lebensumstände bewusster zu werden !
Muss auch nicht in einem durchgelesen werden, weil es ja mehrere Essays sind.
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am 21. März 2015
Byung-Chul-Han spricht eine Sichtweise an, die sowohl kleine Alltagsangelegenheiten wie auch die Spannweite eines ganzen Lebens betreffen. Vielen Dank dafür.
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am 15. Dezember 2014
Sehr kuliviertes Buch welches mich sehr zum nachdenken anregte. Ich habe so viele Notizen genommen das ich es nahezu ganz abgeschrieben habe. Bin begeistert.
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