Wenn man sich Bücher und Rezensionen rund um Hunde, bzw. Hundeerziehung anschaut, kann man sicher feststellen, dass aufgrund der großen Vielfalt, aber auch Verwirrung in der Hundeerziehung, von vielen nach einer Art Messias" gesucht wird, der (oder die) ein wenig Licht in die Verwirrung bringt und deren Beispiel man folgen kann. Auffällig ist auch, dass, wenn man sich dann für jemanden entschieden hat, der vermeintlich die Ansprüche erfüllt, diese Verwirrung zu entwirren, man daran festhält und diesen Trainer, Autor, Experten etc. nach Kräften unterstützt. Und sich selbst dabei keinen Fehler eingesteht, dass man ggf. auf das falsche Pferd" setzt. Das hat zur Folge, dass auch Rezensionen die Bücher vermeintlicher Hundeerziehungserlöser" oft übertrieben positiv ausfallen, auf der anderen Seite aber auch übertrieben negativ. Ich möchte das Buch hier daher als das betrachten, was es ist. Ein Buch. Ein Buch einer Autorin, die ihre Meinung vertritt und diese Meinung unter die Menschen bringen möchte. Und wenn man sich, mit vollkommen neutraler Herangehensweise (ich kannte die Autorin bisher nicht) daran macht das Buch zu lesen, kann man so etwas sicher besser bewerten, als wenn man schon ein vorgefertigtes Bild der Autorin und ihrer Aussagen hat. Ich muss dazu sagen, dass ich bei der Bewertung von Büchern immer mehrere Faktoren berücksichtige. Dieses Buch möchte ich in drei Bewertungsbereiche aufteilen. Zunächst die Gestaltung des Buches und den Preis. Das Buch ist solide und routiniert gestaltet und hergestellt. Viele Bilder tragen dazu bei, dass man nicht nur auf Schriftseiten blickt und genügend optische Abwechslung bekommt und das Lesen nicht langweilig, bzw. langatmig wird. Also, eine solide Buchgestaltung - allerdings finde ich, dass man solch ein Buch besser als Hardcover anbieten sollte, wenn man schon einen Preis von fast 20 wählt. Für die Buchgestaltung kann ich daher aber immer noch solide 3 Punkte geben, die zur Gestaltung passen.
Das zweite Bewertungskriterium ist die Vermittlung fachlicher Informationen in sachlicher Aufbereitung. Wichtig dabei ist die sachliche Auseinandersetzung mit diesen Informationen. Dazu kann ich feststellen, dass sich im ersten Teil des Buches relativ sachlich mit den Faktoren des aggressiven Verhaltens auseinandergesetzt wird. Allerdings werden dort keine Dinge genannt, die man nicht in vielen anderen Büchern auch sachlich so aufbereitet findet. Also, die sachlich, fachliche Seite des Buches, die gut abschneidet, bezieht sich auf den ersten Teil, die Definition von Aggressionen. Im 2. Teil des Buches geht diese Sachlichkeit verloren - worauf ich später noch zu sprechen komme. Bis hier also 3 Punkte für den Bewertungsbereich sachlich, fachlich".
Der letzte Bewertungsbereich dreht sich um die Kernaussage des Buches. Um diese Kernaussage zu erkennen, muss man sehr genau lesen - auch zwischen den Zeilen. An vielen Stellen des Buches wird an der Kernaussage gearbeitet". Oft gut versteckt und psychologisch geschickt. So wird zum Beispiel in dem Teil, der sich mit den Lerntheorien beschäftigt, ein Beispiel (anhand einer Kopfschmerztablette, S. 61) genannt, wie positive Verstärkung wirken kann. Und die positive Verstärkung wird hier so dargestellt, dass sie schlecht ist, bzw. schlecht wirkt. Mit dem einen Beispiel wird ein Bereich der Lerntheorie schlecht dargestellt, ohne auch nur im Geringsten darauf einzugehen oder zu versuchen, Beispiele zu suchen, die die Vorteile der positiven Verstärkung dokumentieren. Andersherum wird auf der gleichen Seite ein Beispiel gebracht (anhand Straßenverkehr), welches Strafe als gut darstellt. Auch hier wird kein Gegenbeispiel genannt, welches eine differenziertere Aussage zulassen würde. Es wird also gezielt manipulativ gearbeitet. So zieht es sich durch den gesamten zweiten Teil des Buches. Da wird Humanpsychologie auf Seite 78 mit ins Spiel gebracht, über die Aussage, Menschen hätten Angst vor Ablehnung und deshalb keine Grenzen setzen würden - oder dem menschlichen Unwillen zu bestrafen". Wieder sehr undifferenziert aber gezielt manipulativ eingesetzt... Weiter wird davon gesprochen, dass man anhand der Qualität" eines Vergehens die angemessene Strafe wählen sollte. Auf Seite 81 wird berichtet, dass ein Hund mit einer Leine beworfen wurde und das nicht funktioniert hatte. Weil der Wurf, laut Aussage der Autorin zu spät kam...
Ich könnte hier noch viele weitere Beispiele bringen, wie die Autorin gezielt, versteckt und psychologisch geschickt manipulativ die Kernaussage des Buches formuliert: Dass man Hunde mit Strafen, notfalls auch sehr unfreundlichen, erziehen sollte. Geschickt verpackt, aber mit einer ganz simplen Botschaft wird vermittelt, dass die Autorin im Prinzip eine ganz schlichte Hundeerziehung bevorzugt. Diejenige, die den Hund unterdrückt und ängstigt. Das wird dann Beziehung genannt und diese Beziehung auch weiträumig umschreiben. Was allerdings nichts an der Kernaussage und der augenscheinlichen bevorzugten Erziehungsart der Autorin ändert. Für diese Kernaussage kann ich persönlich daher nur einen Punkt geben. Zusammengerechnet haben wir also zweimal 3 Sterne und einmal einen. Macht 7 durch 3, also eine sachliche Bewertung von 2 Sternen. Dringend zum Kauf empfehlen würde ich das Buch nicht - und freue mich schon auf die messerwetzenden Kommentare derjenigen, die Probleme damit haben, zwischen den Zeilen zu lesen ;-)