Mit Duell, ursprünglich fürs Fernsehen gemacht, ebnete sich Spielberg seinen Weg. Und dieser Film zeigt, warum das so ist. Die Geschichte ist simpel: ein Geschäftsmann fährt mit seinem Auto zu einem weit entferntem Termin, irgendwo in der Wüste Arizonas trifft er auf einen LKW (ein alter peterbilt-tanktruck), den er überholt. Aus dieser Begegnung entwickelt sich ein Spiel um Macht, Grenzen und deren Verteidigung bzw. permanenten Durchbrechung. Das Publikum lernt den Autofahrer besser kennen. Er (glänzend und intensiv: Dennis Weaver) ist keiner, der in der ersten Reihe steht, keiner der mit seiner Person Eindruck schindet. Er geht Konflikten und Konfrontationen aus dem Weg - ein Telefonat mit seiner Frau gibt darüber Aufschluss - er lebt in seinem Trott und will da gar nicht raus. Bis der Truck kommt und sein Leben nicht mehr in Ruhe läßt. Der Autofahrer ist der Antiheld. Die Menschen, die er im laufe seiner Reise trifft begegnen ihm feindselig oder abwertend - niemand will mit dem Sonderling zu tun haben. Dem Zuschauer wird sein permanentes Versagen vor Augen geführt, bis er so in die Enge getrieben wird, dass er nicht mehr aus kann und Entscheidungen fällen muss. Der Autofahrer bietet viel Identifikationsfläche - er ist kein Superheld, der den LKW-fahrer von der Straße pustet und dabei unlustige Sprüche von sich gibt. Der mann kennt die Gefahr nicht, er weiß nicht mit ihr umzugehen, Entscheidungen fallen ihm schwer und vor allem will er sich nicht eingestehen, dass ein derartiger Übergriff in einer "zivilisierten" Welt möglich ist. Damit wird er lebensecht, weil es uns vermutlich nicht anders ergehen würde.
Was Spielberg da geleistet hat ist Suspense der Spitzenklasse, die Gefahr lauert ab der ersten Begegnung hinter jedem stein, hinter jeder Kurve oder auf jedem barhocker. Der LKW-fahrer, den wir nie zu Gesicht bekommen, ist überall bzw. sein LKW, der im Laufe des Films immer mehr zum Monster wird. Und er zeichnet perfekt das Bild des Durchschnittsbürgers, dem Konflikte schnell und radikal aus der Bahn werfen, der kaum Verteidigungsstrategien hat und abhängig ist von einer funktionierenden Welt und einer funktionierenden Gemeinschaft.
Die DVD ist wie bei allen der Cinematikedition mit dem Notwendigsten bestückt, dennoch in Ordnung für diesen Preis.
Es ist ein Fest, diesen Film endlich mal im Original zu sehen.
Dennoch rästelhaft scheint mir die neue Synchronisation. Warum tun die sowas? Ich habe die alte Synchro, den leicht hysterischen Ton des Autofahrers geliebt. Dieser ist verschwunden und durch eine, zumindest die ersten 45 min, erschreckend emotionslose Stimme ersetzt worden. Warum läßt man nicht die alte Synchro, oder diese zumindest als 3. Option dabei? Die Stimme ist ein wesentliches Element in diesem Film, da sie nicht nur Sprache ist, sondern auch seine Gedanken beschreibt. Veränderungen sollten dort stattfinden, wo es wirklich notwendig ist. Hier war es nicht nötig.
Fazit: Ein Film, der in jeder gut sortierten Filmsammlung zu finden sein sollte. Ein Film der zeigt, wie wenig Mitteln man braucht, um eine gute Geschichte zu erzählen. Schade, dass sich Spielberg von dieser direkten Einfachheit zusehends verabschiedet hat. Er hat mehr drauf, als Blockbuster am Band zu produzieren.