Mit dem Thriller -Duell-, der unter der Regie von Steven Spielberg 1971 gedreht wurde, entstand ein absolutes Meisterwerk.
Ein Meisterwerk, dass ursprünglich nur für's Fernsehen, dem amerikanischen Sender ABC gedreht wurde. Doch die Kritiker und auch das Publikum waren von dem Fernsehfilm so begeistert, dass er nicht nur Spielberg zum Durchbruch verhalf, sondern es der Film mit weiteren Szenen in 2 Drehtagen ergänzt, noch nachträglich ins Kino schaffte. Durch die Erweiterung kam er nun auf die gesetzliche vorgeschriebene Länge von 90 Minunten für Kinofilme. Damit kam im August 1973 auch das deutsche Publikum in den Genuss dieses cineastischen Erlebnisses.
Spielberg, der erst wenige Monate vorher bei UniversaL unter Vertrag genommen wurde, bekam für diesen Thriller nur 10 Drehtage Zeit und ein Budget von nur 450.000,- US Dollar.
Aber was Spielberg daraus machte, müssen Sie selbst sehen! Einfach unglaublich, wie er die Drehbuchvorlage von Richard Matheson umsetzte.
Kurz zur Handlung:
David Mann ist frühmorgens mit seinem Wagen (einen Plymouth Valiant Baujahr 1970---spielt später eine Rolle) geschäftlich unterwegs. Sein Weg führt ihn aus Los Angeles raus, hinaus in die californische Wüste. Je weiter er fährt, desto spärlicher wird der Verkehr auf den Straßen und desto weiter entfernt er sich von besiedelten Ortschaften. Nach geraumer Zeit ist er allein mit sich, seinem Auto und den Stimmen im Autoradio. Doch er ist nicht allein....
Vor ihm taucht ein alter Tanklastzug auf, ein verdreckter Peterbilt, der aus allen Ritzen Öl leckt und der eine dunkle Russwolke verströmt.
Routinemäßig überholt David den langsamer fahrenden LKW. David schaut zur Seite. Was für eine dunkle Scheußlichkeit von Stahlblech. Selbst das Dröhnen des Dieselmotors wirkt bedrohlich.
Jetzt ist David wieder allein und kann sorglos den Stimmen im Radio lauschen.
Aber nein, dieser LKW hat plötzlich wieder aufgeholt und donnert knapp an seinem Wagen vorbei. Jetzt fahren die 40 Tonnen Rost wieder vor ihm....nur merkwürdig, schon wird er wieder langsamer.
David überholt erneut. Seine Bemühungen den seltsamen Fahrer beim Überholvorgang zu sehen, sind vergebens. Zu sehr sind die Scheiben der riesigen Maschine mit Öl und Dreck verschmiert.
Doch kaum ist der Überholvorgang beendet, da lässt plötzlich der mysteriöse Fahrer die Hupe aufdröhnen. Auch das macht Mister Mann misstrauisch.
Zurecht, wie sich später zeigen wird...................
Die Machart:
Also eins vorweg. Die Kameraführung ist sensationell. Es gab nie eine bessere! Sie fängt die gespenstische Atmosphäre, die Einsamkeit der Wüste und die Bedrohung durch den Tanklastzug perfekt ein.
Spielberg schafft es sogar, dem monströsen LKW Leben einzuhauchen, ihm quasi eine Persönlichkeit zu geben. Unterstützt wird diese Wirkung auch noch von dem Umstand, dass man den Fahrer des Tanklastzuges niemals sieht und dessen Motive für seine Handlungen bis zu letzt im dunkeln bleiben.
Desweiteren gelingt es Spielberg, die psychologische Spannung unablässig bis zum finalen Schluss so zu steigern, dass man hier von einem Meilenstein von thrill sprechen kann.
Untermalt werden diese Eindrücke von einer sehr passenden und beklemmenden Filmmusik, die zudem nur in den richtigen Momenten eingesetzt, dass Flair der Gefahr und Todesangst genial hervorhebt.
Allerdings weist der Schnitt, wie bei fast allen Roadmovies Anschlußfehler auf. Ein Tribut an das eng gesetzte Zeitkorsett von Spielberg. Auch sind manche Schnitte in einigen Szenen eine Spur zu hektisch. Aber wirklich nur eine Spur. Dennoch kann man getrost über die kleinen Schwächen hinwegsehen, die Stärken des Fims sind so einmalig gut, dass man es gar nicht fassen kann, was Spielberg in insgesamt 15 Drehtagen vollbracht hat. Letztendlich hat er 3 Drehtage überzogen und 2 Drehtage für den Nachdreh (Szenen mit dem Schulbus und die Szene am Bahnübergang) in Anspruch genommen.
Zur DVD:
Diese weist informatives Bonusmaterial auf. So erfährt man zum Beispiel einiges über die Entstehung von Duell, erfährt höchst persönlich von Steven Spielberg, wie für ihn die Anfänge als Regisseur beim Fernsehen waren, wie er die Schwierigkeiten der kurzen Drehzeit meisterte und auch der Erfinder des Films, Richard Matheson kommt ausführlich zu Wort.
Wichtig !!!
Allerdings wurde die ursprüngliche Vertonung in mono, sowie die erste deutsche Sychronisation, durch eine neue, zeitgemäße Vertonung und Sychronisation ersetzt. Dies ist für Leute die den Film in der Orginalvertonung kennen, sehr störend und sehr schade.
Hier hätte man optional beide Vertonungen, die alte und die neue auf der DVD anbieten können, ja müssen.
Meine persönliche Einschätzung:
Dieser Film ist ein 10 Sterne-Thriller und ein Muss für die Genre Fans.
Einen vergleichbaren Film gibt es nicht mal ansatzweise. Ein Klassiker, der Kultstatus genießt.
Leider sind solche Filme, die Spannung aus Atmosphäre mit einfachsten Mitteln erzeugen, Geschichte. Eigentlich schade !
Selbst Spielberg's spätere Werke, bekannte Blockbuster die zum Teil auch oscarprämiert sind, weisen nicht mehr das Maß an Können auf, was er hier in "Duell" zeigte. Nur noch ein einziges Mal konnte der Zuschauer teilweise diese Art des Filmemachens bewundern...und zwar in "Der weiße Hai". Danach nie wieder.....
Zum Schluß:
Man stelle sich mal vor, man hätte das Drehbuch mit Handlungen, die noch bis in die Nacht spielten, erweitert. Wie schön hätte Spielberg den Protagonisten David Mann mit sich langsam aus der Dunkelheit nähernden Scheinwerfern in den Wahnsinn treiben können...........