Es kommt drauf an, wozu man's hauptsächlich braucht: Kämpft man sich redlich durch einen Fachtext aus der Sparte des Missfallens seiner Wahl und kommt ins Grübeln, was denn nun diese dreimal vermaldeite Abkürzung schon wieder bedeuten soll: Behördenschriebe, Drahtverhau im Computer-Handbuch, linguistisch amoklaufende Gesetzestexte, was auch immer ... dann tut ein Abkürzungs-Wörterbuch Not.
Bei abkürzungsprallen Disziplinen wie z.B. Naturwissenschaften, Medizin, Jura ist das Duden-Taschenbuch "Wörterbuch der Abkürzungen" recht brauchbar. Nicht nur die gängigen Abkürzungen sind hier alphabetisch aufgelistet und vor allem entschlüsselt, sondern auch die (zum Glück!) seltenen; sogar Firmennamen wie FIAT oder MAN oder nur für Eingeweihte als Abkürzung erkennbare Akronyme wie Modem, Laser oder Moped sind verzeichnet. Und dass "MOPS" auch für "maschinenorientierte Programmiersprache" steht, gehört zu jenen Zufallsfunden, die jede enervierende Blätterei aufheitern.
Erfreulich ist auch, dass nicht nur deutsche, sondern auch Abkürzungen aus aller Welt berücksichtigt sind. Weniger erfreulich ist allerdings, dass längst nicht alle berücksichtigten fremdsprachlichen Abkürzungen übersetzt wurden. Bei englischen mag das ja gerade noch angehen, wenngleich die Methode hier schon fragwürdig ist. Aber welcher Ratsuchende wird intuitiv z.B. draufkommen, dass mit "Cedok" das größte tschechische Reisebüro gemeint ist, wenn er die durchaus korrekte Aufschlüsselung "Ceska Dopravni Kancelar" liest? Dergleichen findet man leider noch mehr.
Immerhin, auch fremdsprachliche Abkürzungen drin, da muss man halt Enigmatisches in Kauf nehmen, mag sich der Gutwillige nun denken. Aber ich denke das nicht; was zuviel ist, ist zu viel: Wenn sich in dieser Angelegenheit wenigstens ein System erkennen ließe -- sei's drum. Aber sollte ein System vorhanden sein, so ist es gut getarnt. Manche englische, erstaunlich viele französische und noch mehr lateinische Abkürzungen werden übersetzt (oder auch nicht). Sobald es aber ans Eingemachte geht, um bekanntlich jedermann geläufige Sprachen wie z.B. Tschechisch, Russisch, Italienisch -- nun, dann ist des Benutzers Phantasie gefordert. Hinzu kommt, dass die Aufnahmekriterien für fremdsprachliche Abkürzungen nicht nachvollziehbar sind: Die sicher nicht zu unterschätzende "Fédération Mondiale de Jeunesses Fémines Catholiques" (FMJFC) ist -- obzwar ohne deutsche Übersetzung -- mit an Bord, aber ob eben diese katholischen jungen Damen aller Welt dafür gesorgt haben, dass man die ebenso französische Abkürzung "Sida" ("syndrome d'immunodéficience acquise", also Aids) nicht findet? Einmal misstrauisch geworden, sucht man natürlich gezielt nach weiteren ärgerlichen Fehlanzeigen, und leider wird man allzu oft fündig. Wer diesen Einwand für spitzfindig hält, der schlage bitte mal "CSSR" nach: Hinter dieser Abkürzung, so liest man, verbirgt sich ausschließlich -- na klar doch! -- die Congregatio Sanctissimi Redemptoris (der katholische Redemptoristen-Orden). Dass da 1968 die Armeen des Warschauer Pakts einmarschiert sind, war mir allerdings neu; man lernt halt nie aus.
Dass, wie bereits ein anderer Rezensent anmerkt, gelegentlich auch mal ein Leerzeichen fehlt, oder dass bei der CD-Rom und in einigen ähnlichen Fällen nicht auch noch alternative Schreibweisen wie z.B. "CD-ROM" alternativ angeboten werden, wundert einen nach all diesen Entdeckungen nicht mehr.
z.gefl.K.: Das "Wörterbuch der Abkürzungen" eignet sich leidlich zur Dekodierung deutschsprachiger Fachtexte. Aber maßgeblich in allen Korrektur- oder orthographischen Zweifelsfällen? -- Da würde ich's mit spitzen Fingern anfassen.