mit st. amour hat tom liwa eine Entwicklung in seiner Musik eingeläutet, weg von sinn- und haltsuchenden on-the-road songs, für die man ihn lieben gelernt hat, hin zu befriedeteren tönen und texten. das hat mit evolution blues seine fortsetzung gefunden und landet jetzt mit dudajim beim Gefühl des nach-Hause-kommens. Für Leute der ersten Stunde wie ich (also aus der Flowerpornoes-Zeit) mag diese Scheibe beim ersten hinhören ein wenig zu befriedet sein. Die Texte schwingen fast alle in Sphären, denen manchmal der Kontakt mit realen Themen ein wenig zu sehr abgeht (ausgenommen Zuma). Wenn man an "Eng in meinem Leben" denkt oder an "Halbtot und häßlich", vermisst man manchmal schon die Bilder und den Geschmack, den Tom Liwas Texte sonst hinterlassen. Doch wenn man sich von seinen alten Hörgewohnheiten einmal verabschiedet, und diesem neuen Album einmal eine Chance gibt, erschliessen sich ganz andere Felder, die bisher noch nicht beackert wurden. Mit fast schon experimentellen Bläsersätzen und einem E-Gitarren Solo, bei denen sich wahrscheinlich das gesamte Studio kaputt lachen musste (genial!), ungewöhnlichen Arrangements und Texten, die oft einfach nur durch ihre Schönheit bestechen und weniger durch ihren Sinn, schafft Tom Liwa eine Platte, die durch die Ohren wandert - rein und raus und raus und rein. Lieder bleiben hängen, werden wieder als unverständlich und befremdlich verworfen (zwei schwestern), um dann wieder mit voller wucht zurückzukehren, oft erst tage später. tom liwa enttäuscht die hörgewohnheiten und hat dabei offensichtlich seinen spaß - und wenn man sich darauf einlässt, kann man das auch haben. nur manchmal hat er meiner meinung nach den hörer ein wenig zu ratlos zurückgelassen - was ich dann etwas schade finde. daher vier sterne, zu denen aber einer in klammern dazugedacht werden darf.