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Exakt zehn Jahre nach dem Tod des größten Qawwali-Sängers kommt ein überraschendes Dub-Tribut: Der italienische Produzent Gaudi erhielt Zugang zu bis dato unveröffentlichten Schätzen des Nusrat-Archivs der Jahre 1968-1974. Der Pult-Tüftler, der im Laufe seiner Karriere u.a. mit den Simple Minds, Trilok Gurtu und Apache Indian gearbeitet hat, hebt mit Fingerspitzengefühl den Sufi-Gesang in eine zeitgenössische Dimension. Da gibt es kontemplative Strecken, die das Flair der hindustanischen Klassik atmen, dann wiederum spleenige Passagen, in denen sich urplötzlich eine Reminiszenz an Kraftwerk findet. Eine wohlaustarierte Balance zwischen majestätischen Dub-Bässen und fließenden Strukturen sorgt für angenehme Transparenz, die Meilen von der überladenen Beschaffenheit mancher Dub-Produktionen entfernt ist. Tupfer mit nahöstlichen Instrumenten machen die Textur reich und spannend. Die Wärme der Qawwali-Vocals hat Gaudi inspiriert, auf produktionstechnischer Ebene mit analogen Synthesizern und Bandmaschinen zu arbeiten. Das Resultat: Ein wunderbar behutsamer Flow, der dem heiligen Bezirk der Nusrat-Vocals mit Würde entgegentritt und islamische Mystik mit der Reggae-Botschaft von allumfassender Liebe vereint.
In den frühen 1980ern zählte er schon zu den innovativen Kräften der italienischen Szene: Als Keyboarder für die Band Wild Planet bracht er New Wave und Ska unter einen Hut, geriet dann vorübergehend ins Fahrwasser der Undergroundszene. 1985 entdeckte er mit der Truppe Bamboo Company seine Passion für Reggae, begann Filmmusiken zu entwerfen und wurde auf dem “Stiefel” zu einem gefragten Produzenten. Im auslaufenden Jahrzehnt avancierte Lele Gaudi - wie er sich damals noch nannte – zum Pionier des mediterranen Raggamuffin, schaute sich auf Jamaika um und verzwirbelte schließlich auch Techno- und Ethno-Sounds. Ein Deal mit Polygram ermöglichte ihm schließlich das erste Soloalbum, der Ragga-Artists Crucial Robbie zierte mit seinen Vokalkünsten die erste Single. Touren mit Ziggy Marley, Third World, den Wailers und Jimmy Cliff schlossen sich nahtlos an und mit dem zweiten Album landete er bereits in den italienischen TopTen und in der MTV-Rotation.
Dub Qawwali atmet somit in doppelter Hinsicht den relaxten Spirit des Einsseins, ohne sich jedoch in elysischen Sphären zu verlieren. Dafür sorgt schon Gaudis clevere, detailverliebte Produktion. Mit fast archäologischem Fingerspitzengefühl hat er die Stimme Nusrats aus den Ursprungstracks mit feinen Bürsten herausgeschält und sie in ein komplett neues Umfeld eingefügt. Da gibt es kontemplative Strecken, die das Flair der hindustanischen Klassik atmen, dann wiederum spleenige Passagen, in denen sich urplötzlich eine Reminiszenz an Kraftwerk findet. Eine wohlaustarierte Balance zwischen majestätischen Dub-Bässen und fließenden Strukturen sorgt für angenehme Transparenz, die Meilen von der überladenen Beschaffenheit mancher Dub-Produktionen entfernt ist. Tupfer mit nahöstlichen Instrumenten machen die Textur reich und spannend. Und die Wärme der Qawwali-Vocals hat Gaudi inspiriert, auf produktionstechnischer Ebene mit analogen Synthesizern und Bandmaschinen zu arbeiten. Das Resultat: Ein wunderbar behutsamer Flow, der dem heiligen Bezirk der Nusrat-Vocals mit Würde entgegentritt.
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