Ab Oktober verschenke ich stets Kalender an meine Freunde. In den Vorjahren habe ich diese Kalender nicht rezensiert. Allerdings habe ich mich in diesem Jahr dazu entschlossen, weil ich der Meinung bin, dass gute Kalender hervorgehoben werden sollten, denn sie bieten oft mehr als nur eindrucksvolle Bilder, sondern transportieren über diese Bilder Geschichten, regen also die Fantasie an und warten zudem mit informativen, prosaischen oder auch lyrischen Texten auf, im Falle des vorliegenden Küchenkalenders mit 12 delikaten Rezepten und 12 Gedichten. Ein kluges Konzept!
Der Kalender ist aufklappbar. Auf den Oberseiten werden Lebensmittel appetitanregend präsentiert. Auf einem der Fotos sieht man beispielweise eine Fülle von Frühlingszwiebeln, auch deren Blüten. Auf den Unterseiten dann befindet sich jeweils der Kalendermonat, ein gut erklärtes Rezept und ein Gedicht. Die Rezepte korrespondieren mit den Aufnahmen.
Folgende Rezepte warten auf den Käufer dieses Produktes: "Gnocci mit Salbei", " Die Herztorten", Salatmarinaden", Liptauer Käse", " Salat mit Frühlingszwiebeln", "Möhrenkuchen", "Auberginen-Auflauf", "Marinierter Paprika" "Pizzettine", "Kürbis-Chutney", " Mangoldgemüse" und ein "Sorbet aus Granatsaft".
Gefallen hat mir, dass man die Granatäpfel auf dem dekorativen Dezemberbild auch textlich präsentiert. So liest man, dass der Granatapfelbaum der Baum der Erkenntnis aus dem Paradies war und seit bereits rund 5000 Jahren am Mittelmeer angebaut wird. Seinen Namen soll er aufgrund seiner rot funkelnden Samenhüllen erhalten haben, die an Granate (Edelsteine) erinnern. Granatäpfel sind Sinnbild für Liebe und Fruchtbarkeit.
Man fragt sich möglicherweise, was die 12 Gedichte auf einem Küchenkalender zu suchen haben. Es handelt sich hierbei übrigens um Verse von Paul Fleming, Karin Hempel-Soos, Heinrich Seidel, Josef Guggenmos, Ulla Hahn, Theodor Storm, Max Dauthendey, Fred Endrikat, Joachim Ringelnatz und Detlev Liliencron.
Ich finde, dass eines der abgedruckten Gedichte eine gute Antwort auf die Frage gibt:
Heckenrose
Wenn ein Mann und eine Frau
einen Garten anlegen nach dem Muster
von Eden wird es einen Abend geben
voller Entsetzen: alles
kann über Nacht vergehen nichts
ist sicher vor diesem Wind der heute
zwischen die Kirschblüten fährt und morgen
zwischen die beiden. Lass uns
sagt der Mann die Rosen näher zusammenrücken.
(Ulla Hahn)