Um das Urteil vorweg zu nehmen: Der DUMONT-Führer Riga ist nicht nur vom Seitenumfang her etwas dünn geraten.
Das beginnt bereits bei der gewählten Art der Darstellung: Dem Führer ist ein Stadtplan beigefügt, dessen unhandliches Format vielleicht auf einen Kartentisch der Hanse gepasst hätte, nicht aber in einer windumwehten rigaer Altstadtgasse ausgepackt werden sollte. Kleine Karten in detailierterem Maßstab wären sicher praktischer gewesen. Darüber hinaus ist auch die Karte für öffentliche Verkehrsmittel wenig hilfreich: Sie führt lediglich Endhaltestellen auf und ist ansonsten auch nicht sonderlich an einem herkömmlichen Stadtplan orientiert. Man kann somit nur raten, wo sich die nächste Haltestelle befindet und welche Linie dort abfahren. Ein Busnetzplan ist ohnehin nicht enthalten.
Die Tourauswahl mag Geschmacksache sein. Gerade die beiden ersten Touren decken das konventionelle Programm einigermaßen ab. Ob tatsächlich ein halber Tag aufgewendet werden sollte, um zusammenhangslos alle Aussichtspunkte der Stadt zu besteigen, sei dahingestellt. Durch die Entscheidung, zunächst in voller Breite alle Sehenswürdigkeiten vorzustellen, um anschließend fünf Touren aus zahllosen Querverweisen aus dem Hut zu zaubern, verliert der Führer leider den Rest seiner Führungskraft. Möchte man etwas zu den Stationen der Tour erfahren, artet dies vor jedem interessant scheinenden Haus in wüste Blätterei aus, die oft mit einem Schulterzucken endet: Der Führer nennt nur die allernötigsten Eckpunkte und begüngt sich oft mit der Feststellung, dies sei eben dieses oder jenes Haus. Rätselnd standen wir etwa vor einer Fassade und fragten uns, ob dies nun das Reuternhaus ist. Neben uns packten zwei Touristen denselben Führer aus, blätterten, und fragten um Rat. Der Mann schaute nachdenklich in das Buch und sagte schließlich: "Ich weiß nicht. Der Führer ist irgendwie nicht so prickelnd."
Es wäre darüber hinaus wünschenswert gewesen, bei den einzelnen, vor Ort nicht immer deutlich erkennbaren Museen auf Eintrittspreise oder wenigstens Öffnungszeiten hinzuweisen. Oft fehlt aber bereits der Hinweis auf die Existenz der Ausstellung oder Einrichtung. Auch die Ausflüge ins Umland hätten eine fundiertere Faktendarstellung vertragen (z.B. Fahrpreise, welche sich dann jedoch als extrem günstig erwiesen).
Bei der Restaurantauswahl sollen offenbar konkrete Beispielgerichte mit Preisangabe für eine lebensnahe Einschätzung sorgen. Jedoch wäre es wohl besser gewesen, bei der klassischen Angabe einer Preisspanne zu bleiben. Nicht jedem steht der Sinn stets nach "Thunfischsteak mit Kombu-Bonito-Soße".
Folgende Episode ließ endgültig Zweifel daran aufkommen, ob der Autor überhaupt jemals in Riga gewesen ist: Wir folgten der Beschreibung des Führers zur Anfahrt zum (sehr schönen!) Freilichtmuseum in den Außenbezirken der Stadt. Der Führer rät zur Anfahrt, mit der Buslinie 1 bis Jugla zu fahren. An besagter Haltestelle angekommen, sahen wir uns mit der harten Realität einer postsowjetischen Arbeitersiedlung konfrontiert. Doch so sehr wir auch suchten: Ein Freilichtmuseum war nirgends aufzutreiben. Schließlich nahm uns eine lettische Familie mit dem Auto mit. Es ergab sich, dass ein etwa 2,5 km langer Fußweg an der Autobahn entlang zu dem Museum führt. Alternativ kann man mit dem Bus auch einfach eine Haltestelle weiter fahren, als im Führer beschrieben.
Fazit: Wir hatten fünf wunderbare Tage in Riga. Dieser Führer hat jedoch nur wenig dazu beigetragen. Wer wirklich etwas über die Stadtgeschichte oder ihre Kunst- und Museenszene erfahren will, sollte sich seine Informationen anderweitig besorgen (selbst Wikipedia halte ich hier für ausführlicher). Die vielfältige Gastronomie wird in dem am Flughafen und auch sonst überall kostenlos ausliegenden Guide des Fremdenverkehrsbüros präziser und besser beschrieben. Der DUMONT-Führer ist dagegen unpraktisch zu benutzen, enthält (s.o.) teils in die Irre führende Angaben und ist inhaltlich letztlich dünner als das Papier, auf dem er gedruck ist.