Die Aufgabe, ein so umfangreiches Phänomen wie die Epoche der europäischen Romantik in einem "Schnellkurs" abzuhandeln, scheint auf den ersten Blick unlösbar. Liest man dagegen Helds hervorragende Darstellung, so merkt man: Es geht. Von dem trivialen Romantik- Verständnis unserer Warenwelt ausgehend entwickelt Held das Bild einer historischen Epoche in einer atemberaubenden Vielschichtigkeit. Es gelingt fast immer, Klischees zu vermeiden und die Ambivalenz des Begriffs Romantik zu erhellen. Held geht auf die Musik, die Literatur und die bildende Kunst, aber auch auf Philosophie und Pädagogik, auf Psychologie und Religion ein. Er untersucht das Verhältnis einzelner Romantiker zu den Nachtseiten des Lebens, der sozialen Verelendung, den Geschlechterbeziehungen. Vor allem steht aber die Romantik als Gegenentwurf zu dem vereinheitlichendem Strom einer emanzipierten Vernunft, der Ungeheuer gebiert, im Mittelpunkt. Damit, so eine Kernthese, ist die Romantik ganz nebenbei Wegbereiter für so unterschiedliche Bewegungen wie Psychoanalyse, Existentialismus und Postmoderne.
Das alles ist extrem kenntnisreich, philosophisch blitzgescheit und auf der anderen Seite humorvoll und unprätentiös geschrieben und wunderschön illustriert. Grandios.