Ich bin mit diesem Reiseführer durch einen Großteil der in diesem Buch beschriebenen Länder gereist, und ich kann dieses Buch leider nicht empfehlen. Und das gleich aus mehreren Gründen. Reiseführer benötigen nicht unbedingt einen blumigen oder poetischen Stil, aber der Duktus, mit dem so interessante Städte wie Buenos Aires, Santiago de Chile oder Valparaiso vorgestellt werden, ähnelt dem literarischen Charme eines Telefonbuches. Verwunderlich finde ich auch, dass manche Orte, die den Autorinnen offenbar nicht gefallen haben ( wie etwa das nordargentinische Cordoba ) ungerechtfertigterweise regelrecht niedergemacht werden, Die geschichtliche Entwicklung der La Plata Staaten nimmt zwar einen breiten Raum ein (was im Prinzip positiv ist), ist aber mit zum Teil kuriosen Fehlern durchsetzt. Dafür nur zwei Beispiele: So überschritt General San Martin im Jahre 1817 nicht mit 40.000 Mann ( ein so großes Heer gab es in ganz Südamerika nicht) sondern nur mit 5000 Personen die Anden, um Chile zu befreien. Der Konquistador Pedro de Valdivia wurde von den Mapuche nicht "hingerichtet" sondern bei lebendigem Leibe gefressen. Die interessanten Humboldt- Pinguine, die auf einer kleinen Insel vor dem mittelchilenischen Chachagua nisten, werden überhaupt nicht erwähnt. Auch von der Stadt San Antonio de Arecco mit ihrem Gaucho- und Criollo Park erfährt der Leser nichts. Wo die Fakten also nicht schüttelsicher recherchiert und die Sehenswürdigkeiten staubtrocken präsentiert werden, wird wenigstens ausführlich gewertet: allerdings immer nur aus der sattsam bekannten Gutmenschenperspektive. Was die Autorinnen zum Beispiel über die neoliberale Wirtschaftspolitik in Chile nach 1973 schreiben, grenzt ans Kuriose. Kann man denn gar nichts Positives über das vorliegende Buch sagen? Doch, die Fotoauswahl ist reichhaltig, die Farbabbildungen sind stimmungsvoll komponiert, und das Kartenmaterial ist gut zu gebrauchen.