Wer nach Apulien fährt, tut dies bestimmt nicht alleine wegen der Landschaft. Diese ist, von der Halbinsel Gargano abgesehen, weitgehend reizarm. Wenn man allerdings in Kultur und Geschichte dieses von zahllosen Eroberern gepeinigten Landstrichs eintauchen möchte, ist man mit diesem Kunstreiseführer des Historikers Ekkehart Rotter bestens bedient.
Nach einer ausführlichen Einführung in Gegenwart und Geschichte Apuliens, die Griechen, Römer, Byzantiner, Sarazenen, Normannen, Staufer und Bourbonen, um nur einige der vielen Herrscher zu nennen, in lebendiger Erzählweise wieder auferstehen lässt, führt der Verfasser in mehreren Kapiteln durch die verschiedenen Landstriche.
Am Beginn jedes Kapitels sind die Hauptsehenswürdigkeiten aufgelistet und mit Sternchen bewertet, was es dem Reisenden einfacher macht, eine Auswahl zu treffen, denn auch innerhalb von zwei Wochen wird es kaum möglich sein, alle interessanten Orte zu besuchen. Obwohl dieser Führer auf Kulturreisende abzielt, wurde so mancher Hinweis auf Badebuchten oder die wenigen reizvollen Streckenabschnitte mit eingeflochten.
Auch für kleinere Orte, wie z. B. Martina Franca, sind kleine Straßenkarten enthalten. Grundrisse von Kastellen und Kathedralen machen deren Besichtigung wesentlich einfacher. Ein Glossar am Schluss erklärt dem Leser kunstgeschichtliche Fachbegriffe, die im Text immer wieder auftauchen. Erwähnenswert sind auch die praktischen Reisehinweise, die neben Hotel- und Restauranttipps auch die oft restriktiven Öffnungszeiten der Hauptsehenswürdigkeiten beinhalten.
Hervorzuheben ist, dass ein Abschnitt über Matera, das zum UNESCO Kulturerbe der Menschheit zählt, enthalten ist, obwohl diese Stadt mit ihren Höhlenwohnungen und Grottenkirchen genau genommen zur Basilikata zählt. Die meisten Apulien-Führer sparen diese Hauptattraktion aus und ignorieren dabei, dass die Touristenströme an den Provinzgrenzen nicht abrupt Halt machen.
Für Individualreisende, die sich ihre Informationen selbst zusammenstellen müssen, lässt dieses Buch keine Fragen offen. Als einzige Ergänzung ist eine detaillierte Straßenkarte sinnvoll, denn das TomTom spielt hier so manchen Streich.