Das im Juni 2011 im Dumont Reiseverlag erschienene Reisetaschenbuch "Grönland" zählt nich nur zu den wenigen Publikationen an Reiseführern für die größte Insel der Welt, es ist obendrein auch die aktuellste.
Ganz zu Beginn ihres Reisehandbuches gibt die Autorin Sabine Barth mit einem geographischen "Schnellüberblick" (Satellitenbild) und einer Zusammenstellung "Lieblingsorte" eine Quintessenz des von den Inuit als Kalaallit Nunat (Land der Menschen) bezeichneten Grönlands. Dabei weist sie auch daraufhin, dass "Ultima Thule" als ehemaliger Sehnsuchtsort heute auch eine Mahnung an die ungewisse Zukunft der Jäger des Nordens darstellt, während die Hauptstadt Nuuk zum neuen Sehnsuchtsort Grünlands geworden ist. Die nächsten zwanzig Seiten sind allgemeinen Reiseinfos, Adressen und Websites gewidmet. Hierzu gehören Klima, Reisezeit, Anreise, Verkehrsmittel, Übernachte, Essen und Trinken, sowie Aktivurlaub, Sport, Feste und Unterhaltung....
....den Hinweisen, dass Grönland nicht dem Schengenabkommen beigetreten, und auch kein Mitglied der Europäischen Union ist (Seite 22) kommt keinerlei Bedeutung zu, das bei der Einreise weder Pass-, noch Zollkontrollen durchgeführt werden. Von einem dänischen Niveau der Preise (S. 24) kann nur insofern die Rede sein, als dass es tatsächlich 2 - 3 mal so hoch ist. In Bezug auf die Preise für alkoholische Getränke von einem "entsprechenden skandinavischen Standard" zu sprechen (S. 28) trifft vielleicht für Norwegen und Finnland, nicht aber Dänemark, Schweden und Island zu. Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass sich die Grönländer zu Silvester jeweils um 20:00 Uhr (Mitternacht in Kopenhagen) und um 00:00 Uhr ein zweites Feuerwerk leisten können (S. 33). Bei den nachfolgenden "Reiseinfos von A - Z" sind es wiederum zwei Aspekte, die einer näheren Betrachtung zu unterziehen sind. Durchaus haben die meisten größeren Hotels Hotspots (WIFI) oder auch Internet im Zimmer (S. 35). Kostenlos ist dies jedoch nicht, denn man muss z. B. für 30 Minuten über 8 Euro dafür bezahlen. Auch haben es "Sparfüchse " in Grönland nicht nur schwerer, weil es landesweite Einheitspreise gibt (S. 36). Bei einem Preisniveau, das nicht nur 10 % (S. 36) sondern eher mehrere 100 % höher ist als in Skandinavien, sollten jene Zeitgenossen lieber zu Hause bleiben. Der ergänzende Hinweis, dass die Preise aber niedriger als in Island seien, ist geradezu ein schlechter Witz, denn dort herrscht in etwa ein bundesdeutsches Preisniveau.
Einem "Steckbrief Grönland" und einer vierseitigen historischen Chronologie (2500 v. Chr. - 2010) folgt ein Panorama mit einer Reihe von 14 lesenswerten Essays mit Daten und Hintergrundinformationen. Hierbei werden alle wesentlichen Aspekte, der grönländischen Geschichte, Geografie, Kultur, Ethnizität, Gesellschaft, Bildung, Wirtschaft, Tier- und Pflanzenwelt sowie Klimawandel und Tourismus vorgestellt. Nachdem sich das riesige Land seit dem 21. Juni 2009 selbst regieren kann, bedeutet die Hoffnung auf das Arktis-Öl und andere wertvolle Rohstoffe einen weiteren Schritt in Richtung vollständiger Unabhängigkeit von Kopenhagen, dass im Jahre 2009 die Inselrepublik noch mit umgerechnet 463 Millionen Euro
(Block Grant) fördern musste.
Mit 189 Seiten bildet der der Abschnitt "Unterwegs in Grönland" mit den seinen sechs Kapiteln "Nuuk und Umgebung", "Südgrönland", "Westgrönland", "Disko-Bucht", "Nordgrönland"" und "Ostgrönland" das ebenfalls gut gelungene Herzstück des Reisehandbuches. Soweit vorhanden bietet jedes dieser Kapitel die Rubriken "Highlight", "Auf Entdeckungstour","Kultur & Sehenswertes", "Aktiv & kreativ", "Genießen und Atmosphäre" sowie "Abend & Nachts". Für Nuuk und Umgebung sind Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte, Restaurants und andere Lokalitäten verschiedenfarbig durchnummeriert. Die Nummer finden sich in einem Stadtplan und den Beschreibungen wieder. Neben farblich abgesetzten Kästen "Lieblingsort" und "Infobox" findet sich an mehreren Stellen auch "Mein Tipp", unter anderem für das grönländische Bier im Godthaab Bryghus. Aufgrund des Gletscherwasser ist es tatsächlich einzig, kostet jedoch pro 0,3 Liter-Glas auch etwa 10 Euro. Im Supermarkt kann man es für 4 Euro kaufen, muss dies jedoch vor 18:00 Uhr machen, weil dann herunter gelassene Rollgitter, den "Liquor-Store" vom übrigen Laden trennen, bzw. einzelne Kühlschränke verriegelt werden. Auch die Zimmer des als "erstes Haus der Stadt" angepriesenen Hotel Hans Egede (S. 98) verfügen über keine Minibar (Kühlschrank). Verblüffend ist auf jeden Fall der freie Eintritt in das Nationalmuseum mit den über 500 Jahre alten Mumien von Qilakitsoq, die einem Specila "Auf Entdeckungstouren vorgestellt werden (S. 86). Auch "Mein Tipp" für einen Besuch des Instrumenten- und Plattenladens "Atlantic Music" in der H. J. Rinksvej 7 in Nuuk ist ein guter. timediver® konnte dort das Album "Seqinitta Qinngorpaatit" der Gruppe Nanook (Eisbär) erwerben, das außerhalb Grönlands nicht oder nur schwerlich zu finden ist.
Zum Abschluss bietet das Reisehandbuch noch zwei Mini-Sprachführer Deutsch/Kalaallisut und Deutsch/Dänisch, ein Register sowie ein Karte im Maßstab 1:2.500.000, die auf Vorder- und Rückseite Nord-, bzw. Südgrönland abbildet.
Trotzt der geschilderten kleinen Ungenauigkeiten verdient dieses einzigartige Reisehandbuch als Einladung nach Kalaallit Nunaat die Bewertung mit 5 Amazonsternen.