Die vorherige Rezension beschreibt bereits die wichtigsten positiven Aspekte. Der Reiseführer ist aufgeteilt in einen allgemeinen Teil, welcher die Region und die Menschen in ihren Besonder- und Eigenheiten anschaulich beschreibt. Danach widmet er sich beginnend an der deutsch-luxemburgischen Grenze den jeweiligen Abschnitten der Mosel bis nach Koblenz, wobei die historisch oder landschaftlich bedeutenden Ortschaften ausführlicher berücksichtigt werden. Auch zu allen anderen Orten oder Ausflugszielen (so groß ist das Gebiet ja nicht) gibt es Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Übernachtungen, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten (i.d.R. natürlich Wein) und, falls vorhanden, dem Nachtleben, inkl. ungefährer Preisangaben. Wie in jedem Reiseführer.
Die beschriebenen Restaurants sind jedoch nicht immer empfehlenswert, da sie oft von Touristen (v.a. Deutsche, Niederländer) überrannt werden und dem entsprechend auch nicht immer die beschriebene authentische regionale Küche anbieten. Zudem sind sie oft teurer als im Reiseführer angegeben, was auch saisonal bedingt sein mag. Ein Hinweis darauf, dass die Hauptessenszeit bereits zwischen 18 und 20 Uhr ist, es nach 21:30 Uhr in vielen Restaurants und Gaststuben gar keine warme Küche mehr gibt und totenstille herrscht, wäre ebenfalls angebracht. Mag sein, dass dies in dörflichen Gegenden normal ist, einen Großstädter (oder den jüngeren Touristen) wird dies irritieren. Davon am besten vor Ort ein Bild machen und vergleichen.
Was im Reiseführer oft fehlt, sind Adressen für die traditionellen kleinen Weinstuben, in denen es neben Wein nur Kleinigkeiten (z.B. Schinkenbrot, etc.) gibt. Zwar wird auf die typischen Straußwirtschaften oder die Probe/Übernachtung vor Ort beim Winzer hingewiesen, erstere sind jedoch nur wenige Monate im Jahr geöffnet, letztere manchmal außerhalb gelegen.
Die Angaben zu den Bars, Clubs und Szenekneipen in den größeren Städten sind leider ebenfalls sehr zu kurz gekommen und schlicht nicht zeitgemäß. Sie mögen davon zeugen, dass die Autorinnen in der jüngeren Szene evtl. eher weniger unterwegs sind. Generell ist die Moselgegend sehr auf das ältere Publikum zugeschnitten, junge Touristen oder junge Familien sucht man fast vergebens. Dem entsprechend ist auch das ganze Angebot ausgelegt (z.B. altmodische "Eiche rustikal"-Einrichtung in den Hotels, wie Kinder bespaßt werden können, weiß ich auch nicht). Ohne jemandem zu Nahe treten zu wollen, fehlen solche "Hinweise" im Reiseführer leider.
Bei den Ausflugszielen, die lediglich zu Fuß erreichbar sind, fehlen häufig die Entfernungsangaben. Man erfährt zwar von welchem Ort man sich dem Ziel ungefähr nähern kann, muss dann jedoch umständlich nach Wanderwegen mit Entfernungsangaben suchen. Wer nicht vornehmlich das Gebiet erwandern möchte und sich daher einen Wanderführer kauft, ist dann ziemlich aufgeschmissen.
Letztlich sind die Zusatzinformationen (geschichtliche Hintergründe, Sagen, Mythen, etc.) inhaltlich eher mangelhaft. In teils verschachtelten Sätzen werden Geschichten angerissen aber oft nicht zu Ende erklärt, so dass der Leser anschließend immer noch nicht weiß, warum der "Schängel" (Brunnen) die Leute denn nun eigentlich bespritzt oder warum das vermeintliche Antlitz eines einst zu unrecht ermordeten Ritters denn letztlich an die Wand des Schöffenhauses in Koblenz gekommen ist. Solche Exkurse sollten entweder treffend sein oder weggelassen werden.
Der Reiseführer ist leider im Vergleich zu dem ebenfalls guten, aber schlicht kürzeren, MarcoPolo-Reiseführer die einzige Alternative und insgesamt auch nützlich aber verbesserungsfähig.