Das vom Kölner Dumont Reiseverlag in erster Auflage herausgegebene Reisehandbuch "Island" gehört neben dem ebenfalls im 2010 erschienenen "
Baedeker Allianz Reiseführer Island" (Juni 2010), "
Island" (September 2010) und "
Island - Reiseführer von Iwanowski" (Mai 2011) zu den aktuellsten der umfangreichsten Pubklikation über die nordatlantische Vulkaninsel.
Die Autorin Sabine Bart (Jg. 1956) bereist die Inselrepublik - auf der sie zwischen 2001 und 2003 zudem das Goethe-Zentrum geleitet hat - seit nunmehr 30 Jahren und hat sich dadurch sowie durch die Vielzahl ihrer Publikationen als "Island-Expertin" ausgewiesen. Unter anderem zeichnet sie sich auch als (Co)Autorin der preisgünstigeren und sicherlich handlicheren, jedoch auch weitaus weniger informativen "
Marco Polo Reiseführer Island: Reisen mit Insider-Tipps. Mit Reiseatlas und Sprachführer Englisch. Jökulsàrlon: der Zauber der Weissen Welt-Eine ... im Hafenhaus/Errò-Ausstellungen in Reykjavik" (August 2008) und "
Island. Polyglott on tour - Reiseführer: Dramatisch: Die Westfjorde, Geologie hautnah: Geysir Strokkur, Entspannend: Die Blaue Lagune" (März 2009) aus.
Das (inklusive seiner vorderen Einbandklappe) 434seitige Reisehandbuch passt trotz seines Umfangs noch in die Gesäßtasche und besticht durch seinen systematischen Aufbau. Die ersten 100 Seiten sind in zwei Abschnitte gegliedert, die nacheinander "Wissenswertes über Island" und "Wissenswertes für die Reise" vermitteln. Nach einem Essay über "Die Insel der Seligen" und einem "Steckbrief Island" werden die Besonderheiten der Inselrepublik für die Bereiche Natur und Umwelt, Wirtschaft, Soziales und aktuelle Politik sowie Kunst und Kultur, Gesellschaft und Alltagskultur bis hin zu Essen und Trinken vorgestellt. Daneben wurden alleine der Rubrik Geschichte erfreulicherweise 10 Seiten (S. 34 ff.) gewidmet.
Nachdem sich der Leser ein solides Grundwissen über das Land angeeignet hat, bietet ihm der zweite Abschnitt unzählige Möglichkeiten für die Planung seiner Reise. Beginnend mit aktuellen Internetadressen steht hierbei sowohl dem individuell Reisenden als auch jenen, die Pauschalangebote vorziehen, ein pralles Informationspaket zur Infrastruktur, Art der Unterkünfte, Ausflugs- und Sportmöglichkeiten, Literaturtipps etc. zur Verfügung. Leider werden an keiner Stelle die Preise für 10-12stündige Tagesausflüge genannt, so dass man erst vor Ort feststellen wird, dass sich diese zwischen 150 - 250 Euro pro Person bewegen. Mittlerweile bekommt man für einen Euro auch keine 177 Isländische Kronen mehr (S. 94), sondern nur noch 154. Wie timediver® bei seiner Island-Reise im Mai/Juni 2011 um sich herum und auch am eigenen Leib erfahren musste, wäre unter der Rubrik "Gut zu wissen" ein Gesundheitshinweis besonders hilfreich: Im Frühjahr bietet das wechselhafte Wetter viele Gefahren für eine Erkältung. Eben gerade noch Sonnenschein, im nächsten Moment fegt eisiger Wind über verschwitzten Kopf und Körper, was ein omnipräsentes Husten, Schniefen, Niesen usw. zur Folge hat. Ein nachhaltig wirksames Medikaments zur Dämpfung des Hustenreizes gehört daher als erstes in die Reiseapotheke. Da in nahezu allen Hotels und einer Vielzahl weiterer Unterkünfte die Möglichkeit zur kostenlosen Internetnutzung besteht, sollte die Rubrik Kommunikation mit einem Hinweis auf "Skype" - das kostenlose oder im Cent-Bereich liegende Telefonate, auch nach Deutschland ermöglicht - ergänzt werden.
Auf Seite 106 beginnt mit "Unterwegs in Island" der größte Abschnitt des Reisehandbuches. Beginnend "Reykjavik, Reykjanes und Goldener Kreis" werden die einzelnen Reiseregionen der Insel im geografischen Uhrzeigersinn in sechs Kapiteln dargestellt. Neben den schlichten Bezeichnungen "Der Westen", "Der Norden", "Der Osten" und "Der Süden" für die Kapitel zwei bis fünf, wurde das letzte mit "Das Hochland" tituliert.
Jedes dieser Kapitel startet mit einem zweiseitigen Inhaltsverzeichnis zu denen die Rubriken "Sehenswert", "Schöne Routen", "Meine Tipps", "aktiv unterwegs" und eine Ausschnittskarte mit Route und nummerierten Sehenswürdigkeiten und Orte gehören. Der Beschreibung der Orte und ihrer Sehenswürdigkeiten folgen lokale Hinweise auf Essen & Trinken, Unterkünfte, Verkehr, Termine usw. Für Reykjavik und andere Städte sind Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte, Restaurants und andere Lokalitäten verschiedenfarbig durchnummeriert. Diese Nummer finden sich in einem Stadtplan und den Beschreibungen wieder. Die einzelnen Beschreibungen sind sehr exakt, wie z. B jene des Hofes von Snorri Sturluson (S. 191 ff.) Zur Möglichkeit einer "Walbeobachtung" (S. 140) muss jedoch angemerkt werden, dass in der Faxafloi nur kleine Walarten auftreten, der Farbe sich kaum von der des Meeres abhebt. Aus einer Entfernung von 50 - 100 Metern vom Boot sind bestenfalls und nur sehr kurz die Rücken- und Schwanzflosse zu erkennen. Hinzu kommt noch ein starker Seegang, was das Fotografieren eines der Tiere geradezu unmöglich macht. Der 45 Euro teure Trip bietet daher eher die Aussicht auf Seekrankheit, als auf einen Wal.
Neben zahlreichen beeindrucken Landschaftsaufnahmen lockern 13 Essay zu Themen aus verschiedenen Bereichen das Gesamtbild weiter auf. Nützlich ist neben dem zweiseitigen Sprachführer (S. 101) auch das abschließende Register. Zur Lokalisierung der alphabetisch aufgelisteten Örtlichkeiten ist die Faltkarte im Maßstab 1:850.000 und ihre Rückseite 1:380.000 (Islands Südwesten) sehr hilfreich. Gleiches gilt für eine Entfernungstabelle mit Kilometerangaben und zeitlicher Dauer.
Ungeachtet von durchaus noch möglichen Ergänzungen, kann Sabine Barths Reisehandbuch als "non plus ultra" für Island angesehen werden, das mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.