Die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkrieges stellt eine düstere und zwiespältige Zeit in der französischen Geschichte dar. Willkür, Unterdrückung, Gewalt, Mord, Kollaboration und Verrat gehören zum alltäglichen Leben in dieser Zeit. Jean-Louis St.-Cyr hat dieses leidvoll erfahren. Als Oberinspektor der Suréte von seinen Landsleuten automatisch der Kollaboration verdächtigt, wurde seine Familie das Opfer einer Bombe der Résistance. Dabei fühlt sich St.-Cyr eigentlich nur dem Gesetz und dem Gedanken der Gerechtigkeit verpflichtet; unabhängig davon, ob die Ergebnisse seinen Vorgesetzten genehm sind. In „Salamander" bekommt St.-Cyr wieder Gelegenheit dies unter Beweis zu stellen. Zusammen mit Hermann Kohler, einem deutschen Gestapo-Mann, untersucht St.-Cyr den Brand eines Kinos in Lyon im Jahre 1942, bei dem 183 Menschen den Tod finden. Die Spuren des Verbrechens führen in das Hauptquartier von Klaus Barbie, dem Leiter der Lyoner Gestapo, der später als Schlächter von Lyon einen zweifelhaften Ruhm erlangte. St.-Cyr und Kohler, zwei unterschiedliche Männer, die der zweite Weltkrieg zusammengeführt hat, schleppen den Ballast ihrer Herkunft ständig mit sich herum - sowohl in ihrer persönlichen Beziehung zueinander als auch bei den Ermittlungsarbeiten. Die beiden Polizisten wehren sich gegen ihre Vorgesetzten, die von ihnen keine Aufklärung, sondern die Bestätigung bereits vorab festgelegter Resultate erwarten. Der Autor J. Robert Janes meidet dabei simple Schwarzweißmalerei, Klischees und Sentimentalitäten und seine Geschichte wirkt deshalb um so authentischer. Sein souveräner Umgang mit zeitgeschichtlichen Fakten und ihre künstlerische Vernetzung mit der Fiktion zieht den Leser so intensiv in die Geschichte, das dieser die zeitliche Distanz aufgibt. Die Suggestionskraft seiner Romane wird erhöht durch gelungene Charaktere, einen konsistenten Plot, und dem Kunstgriff eines häufigen Perspektivwechsels: Obwohl der Roman aus der Perspektive der beiden Protagonisten geschrieben ist, werden immer wieder Gedanken und Gefühle der anderen Figuren eingestreut, und zwar so raffiniert, daß der Leser zu einem Akteur im Roman wird. Zu Recht wurde „Salamander" sowohl von Publishers Weekly als auch von der New York Times unter die besten Thriller des Jahres 1997 gewählt.