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DuMont Noir, Nr.5, Puma
 
 
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DuMont Noir, Nr.5, Puma [Broschiert]

Ulf Miehe
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 491 Seiten
  • Verlag: DuMont Reiseverlag, Ostfildern (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3770148541
  • ISBN-13: 978-3770148547
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,4 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 643.287 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Grosse Versprechen, schwaches Programm

Zwei Krimireihen bei Dumont

Seit Frühjahr 1999 wartet der Dumont-Verlag neben der «Kriminal-Bibliothek» mit einer zweiten Krimireihe auf. Ihr Titel, «Noir», ist ebenso programmatisch wie vage. Bezeichnete der Ausdruck «roman noir» im Französischen ursprünglich den Schauerroman, so benennt er inzwischen eine Richtung innerhalb der Kriminalliteratur. Entscheidenden Einfluss auf diese Entwicklung hatte die vom Verlag Gallimard gegründete «Série Noire», die nach dem Zweiten Weltkrieg, begünstigt durch das existentialistische Klima, der amerikanischen «hard-boiled school» in Frankreich zum Durchbruch verhalf. Allerdings waren es nicht nur Romane mit hartgesottenen Helden, die hier unter dem Etikett «roman noir» Aufnahme fanden, sondern auch solche mit schwachen oder verwerflichen Protagonisten. Amerikanische Krimikritiker übernahmen in der Folgezeit den französischen Terminus gerade für solche düsteren Kriminalromane – namentlich von Autoren wie Cornell Woolrich, David Goodis oder Jim Thompson –, auf die die Bezeichnung «hard-boiled» nicht passt. Sie bilden die Noir-Literatur im engeren Sinn, während in einem weiteren Verständnis auch der hartgesottene Detektivroman dazugehört.

«Cozy» und «noir» Als Gegenbegriff zu «noir» fungiert «cozy». Er steht für den heiter-behaglichen Krimi. Der Form nach handelt es sich dabei oftmals um traditionelle Detektivromane, obwohl es falsch wäre, diese generell als «cozies» zu betrachten. Denn sie kommen durchaus nicht immer gemütlich daher, wie umgekehrt manche Privatdetektivromane weder hartgesotten noch «noir» sind. Überhaupt eignet sich die Gegenüberstellung von «cozy» und «noir» schlecht als Genrebestimmung und sollte eher als lockere Unterscheidung zweier Stilrichtungen innerhalb des Kriminalromans verstanden werden.

Dumonts Presseinformation zur neuen «Noir»-Reihe verfestigt dagegen die einfache Differenz zum weltanschaulichen Dualismus. «Alle Kriminalromane», heisst es hier, «lassen sich auf zwei Grundströmungen zurückführen: die bestätigende und die subversive.» Diese manichäistische Sicht entstammt der Krimidiskussion der siebziger Jahre; allerdings stand damals für «bestätigend» noch vornehm «affirmativ» und statt «subversiv» «sozialkritisch». Erscheint in dem Presseschreiben inzwischen selbst der «(pseudo)realistische Kriminalroman» der hartgesottenen Schule als eine Art gefallener Engel, so erhebt sich hier nun die Noir-Literatur zum «reinsten Ausdruck» des «subversiven Kriminalromans».

Angesichts der überwiegend schwachen Romane, die die «Noir»-Reihe eröffnen, erweist sich diese Verkündigung als reine Marktschreierei. Unter den ersten zehn Bänden hat der Rezensent überhaupt nur zwei lesenswerte Autoren gefunden, deren Romane bezeichnenderweise aus den siebziger Jahren stammen. Jonathan Gash ist dabei nicht einmal ein Noir-Autor. Die Kriminalfälle dienen ihm als Aufhänger, um mit ironischen Bonmots die Schliche des Antiquitätengeschäfts vorzuführen. Sein Amateurdetektiv mit dem sprechenden Namen Lovejoy personifiziert dabei als Filou und Frauenheld amüsant und schlagfertig den Hedonismus der siebziger Jahre und ist zugleich, im sympathischen Widerstreit, ein leidenschaftlicher Antiquitätenhändler, der für schöne alte Dinge jede schöne junge Frau stehen oder besser: liegen lässt.

Bei dem bisher einzigen gelungenen Noir-Roman der Reihe handelt es sich um eine Neuausgabe von «Puma», einem Gangsterthriller des vor zehn Jahren verstorbenen Autors und Regisseurs Ulf Miehe. Er erzählt von einem Kidnapping, das zu scheitern droht, weil die entführte Tochter und ihr reicher Vater einander misstrauen und hassen; der Unternehmer, selbst in illegale Rüstungsgeschäfte verwickelt, erweist sich dabei als härter als jeder der Gangster. Im Medium des Thrillers überlagern sich die Generations- und Klassenkonflikte der Nachkriegszeit, wobei das menschliche Drama aus geringfügigen Missachtungen der «Regeln» erwächst, die die Gangsterwelt wie das Gangstergenre zusammenhalten. Nicht zufällig wollte Miehe Lino Ventura für die Verfilmung des Romans gewinnen. Denn literarische Glaubwürdigkeit erzielt er durch einen bewusst künstlichen Stil, dessen melancholische Lakonie dem französischen «film noir» entlehnt ist.

Die Gleichgültigkeit der Welt

In den übrigen Bänden hingegen verflacht der Stil, und hervor tritt das Syndrom «Noir». In seinem Kern lauert eine Depression, die sich vor allem an der Gleichgültigkeit der modernen Welt festmacht. «Es gibt nur ein Verbrechen, dessen wir schuldig sind: Gleichgültigkeit», schreibt Derek Raymond in seinen Memoiren, dem ersten Band der «Noir»-Reihe, und: «Verzweiflung und Noir-Roman sind eins.»

Die Form ihrer Bewältigung im Noir-Roman – nämlich dem Leben durch Gewalt und Schmerz eine Art Sinn abzutrotzen – ist freilich männlich. Ungebrochen den Wert des Authentischen beschwörend, geriert sie sich als «harter» Realismus. Ihr Ressentiment richtet sich gegen einen Begriff von Literatur als Spiel und Maskerade. Es gelte, so Raymond, «das Irrelevante, Prätentiöse und Künstliche auszutilgen». Aber in den bisherigen Romanen der «Noir»-Reihe wird das «Echte» selbst zum Klischee: Sie langweilen mit der Attitüde des einsamen Wolfs, ein wenig pyromanischem SM, viel Sozialromantik oder einer sich im Showdown bewährenden Männerfreundschaft.

Pikanterweise hat der Dumont-Verlag den, um im Jargon zu bleiben, Kampf zweier Linien des Kriminalromans im eigenen Haus entfacht. Denn wenn eine Krimireihe auf «cozies» abonniert ist, dann Dumonts Kriminal-Bibliothek. Sie verkörpert, was die Noir-Dogmatiker ablehnen. Aber der Unterschied zwischen «cozy» und «noir» ist keiner des literarischen Werts. Als Beleg sei aus der Kriminal-Bibliothek Michael Innes' «Klagelied auf einen Dichter» empfohlen, ein berühmter Detektivroman von 1938, der das archaische Motiv des Bruderzwists mit der Schlossromantik der Schauerliteratur, dem Wechsel der Erzählerfiguren à la Wilkie Collins und dem Wendungsreichtum moderner Puzzletechnik verbindet. Statt wie der Noir-Roman den Anschein von Authentizität erwecken zu wollen, treibt Innes ein komplexes Spiel mit der Genretradition.

Lutz Krützfeldt

Kurzbeschreibung

Nach Jahren im französischen Gefängnis kommt der elsäßische Gangster, den alle Puma nennen, frei. Zwischen Paris, München und New York entfaltet sich eine Unterweltballade wie ein französischer Gangsterfilm von Melville mit Alain Delon oder Lino Ventura über Solidarität, Verrat und späte Liebe. 'Puma', das Buch zum 10. Todestag des Regisseurs und deutschen Crime-Klassikers Ulf Miehe, wird durch Briefe, Interviews und Materialien angereichert.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von CK
"Puma" war für mich der erste Miehe und ist eine Entdeckung, eine Überraschung.
„Puma", so wird der Gangster Franz Morgenroth genannt, der nach einem Überfall geschnappt und verurteilt wurde. Seinen beiden Komplizen hat er bei der Polizei nicht verraten und zum Dank prellen ihn diese um seinen Anteil.
„Puma" ist ein harter Gangsterroman, der aber nicht von der Rache an seinen ehemaligen Komplizen handelt, sondern von einer Entführung erzählt, die schief läuft. Morgenroth hatte bereits während seines Gefängnisaufenthalts die Entführung einer Millionärstochter geplant. Aber der perfekte Plan geht schief, weil die Gefühle und das Leben nicht planbar sind: "Der Puma" hat sich erstens längst in sein Entführungsopfer verliebt; und zweitens haben er und seine beiden Profikollegen aus USA und England nicht einkalkuliert, dass Vater Kammerloh für seine Tochter womöglich gar nicht zahlen will.
Ulf Miehe erzählt seine Geschichte sehr filmisch, knappe Beschreibungen, knappe Dialoge. Sein Stil ist lakonisch, trocken und trotzdem packend. Auch Nebenfiguren und Parallelhandlungen werden ausgeleuchtet und in einem furiosen Schlussteil sehr überzeugend zusammengeführt. Punktabzüge gibt es für zwei überflüssige und störende Szenen: Einmal eine den Erzählfluss störende Reportage über Heroin und zum anderen für eine brutale und für die Story überflüssige Szene, in denen der amerikanische Profikollege Pornodarsteller massakriert.
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