Daß die seit Jahrzehnten von Dumontreise veröffentlichten Dumont-Reiseführer, mit dem Schwerpunkt Kunst, in ihrem Segment zum Allerfeinsten gehören, pfeifen nicht nur bei Globetrottern und sonstigen Weltenbummlern, ebenfalls seit Jahrzehnten schon, die sprichwörtlichen Spatzen von den Dächern. Und das hat vielerlei Gründe, die von der absoluten Seriosität und Zuverlässigkeit der vermittelten Daten und Fakten bis zur unvergleichlichen Aufmachung und Ausstattung der Bücher reichen. Texte, Fotos und sonstige Illustrationen sind natürlich ebenfalls hochwertig, und das zuständige Lektorat des Reiseverlages Dumont läßt augenscheinlich auch nicht den kleinsten Fehler durchgehen. Es versteht sich, daß die verwendeten Daten und Fakten auch regelmäßig aktualisiert werden, so daß der Reisende bei Vorbereitung seiner Reise und Verwendung der Bücher unterwegs stets sicher sein kann, auf dem letzten Stand zu sein.
Da liegt nun allerdings doch ein wenig der allseits berühmte Hund begraben. Die Verwendung auf der Reise ist inzwischen nämlich eher problematisch. Und zwar deshalb, weil die Bücher so perfekt gemacht und so aufwendig hergestellt werden, und das trägt auf. Der einzelne Band ist nämlich buchstäblich so gewichtig, daß er, in Zeiten des mittlerweile auch unendlich teuren Flugbenzins, wo jedes Gramm Gewicht, das der Fluggast auf die Waage bringt, penibel nachgewogen wird, auf Reisen kaum noch mitgeführt werden kann. Man nutzt ihn also vorwiegend daheim und zur Vorbereitung der Reise, was schade ist, denn gerade unterwegs würde man gerne auf den verläßlichen Reisebegleiter zurückgreifen.
Vielleicht sollte der Verlag, ohne das hochwertige Erscheinungsbild der Bände negativ zu verändern, doch dazu übergehen, andere Papiere einzusetzen, die das Buch zeitgemäß entlasten könnten. Das immer schon verwendete Kunstdruckpapier ist großartig in Optik und Textur, trägt jedoch allzu sehr auf und ist demnach im Sinne des Wortes heute nicht mehr zeitgemäß. Vorstellbar ist, weniger gewichtige Papiersorten zu verwenden, die ebenfalls hochwertig und vor allem auch unterwegs strapazierfähig sind. Vielleicht sollte der Verlag darüber einmal nachdenken, viele Reisende würden es ihm gewiß danken.
Was den vorliegenden Band, Zentralasien, anbelangt, hatte ich mir diesen vorwiegend um Kasachstans willen bestellt und bin, dahingehend, ein wenig enttäuscht worden. Schon das Inhaltsverzeichnis verrät, daß die Gewichtung unter den behandelten zentralasiatischen Republiken, Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kasachstan, ungleich verteilt ist. Was sicher teilweise ihrer (naturgegebenen, aber auch kulturellen und kulturhistorischen) unterschiedlichen Bedeutung angelastet werden muß. Aber sicher nicht allein, denn es kann nicht sein, daß Usbekistan, das dem Autor wohl am meisten am Herzen gelegen hat, auf gut 120 Seiten abgehandelt wird, auf Kasachstan, auf das ich am meisten Augenmerk gerichtet hatte, aber nur ziemlich ausgezehrte 10 Seiten Text, einschließlich Fotos und Illustrationen, entfallen. Bei Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan verhält es sich, bezogen auf die beklagte Unproportionalität, ebenso. Bei einer Neuauflage sollte der Autor hier vielleicht doch noch einmal nacharbeiten. Auch dafür wären weitere Generationen von hoch zufriedenen Nutzern sicher sehr dankbar.