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Der Reiseteil führt zunächst nach Moskau, wohl eine der schönsten und bedeutendsten Städte der russischen Republik. Mit einem ausführlichen Rundgang kann man sämtliche Sehenswürdigkeiten mit künstlerischen Augen betrachten: Unter anderem den Kreml, das Neujungfrauenkloster und den Arbat -- heutige Einkaufsstraße und frühere Gegend der Maler und Literaten. Die Reise führt weiter über den Goldenen Ring, die Klosterlandschaft nordöstlich von Moskau, mit seinen herrlichen kleinen Städtchen. Auch St. Petersburg, das "Fenster gen Westen" fehlt auf der Kunst- und Kulturreise nicht.
Schon die Liste am Anfang des Kapitels, mit den Stationen, die die Autorin für "besonders sehenswert" hält, ist beachtlich! Ergänzt wird der Kunstführer durch ein Kapitel mit praktischen Hinweisen für die Reise sowie durch einen kleinen Sprachführer. Allerdings ist dieser eher zu vernachlässigen, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Es ist eben kein Reiseführer im üblichen Sinne, sondern einer, der fast ausschließlich auf den Spuren der Kunst wandelt. Wenn man Rußland unter diesem Aspekt bereisen möchte, ist das Handbuch sehr zu empfehlen. --Corinna Freese
Russland ohne Gelehrsamkeit
egt. Nicht selten sind Kunstreiseführer Stätten der Gelehrsamkeit und ihre Autoren unerbittliche Anwälte des Guten, Wahren und vor allem Schönen. Zähneknirschend schleppt man nun diese schweren Folianten des Kunsthistorismus in fremden Ländern herum, um auch zur rechten Zeit die richtigen Daten und Fakten zur Hand zu haben: Der Blick auf das eigentliche Kunstwerk im weitesten Sinne wird dabei oft verstellt.
Fährt man nun allerdings mit der Münchner Journalistin Christine Hamel nach Russland, kann man sich ihr voll und ganz anvertrauen. Selbstverständlich hat Christine Hamel die Kunsthistorie von der Pike auf gelernt und führt ganz im Rahmen eines Reiseführers durch Moskau und über den Goldenen Ring mit seinen berühmten Kloster- und Handelsstädten, vor allem aber auch nach St. Petersburg, Karelien und Nowgorod. Doch die Autorin erzählt dabei ganz leicht und ohne jede Strenge, die dem Leser und Zuhörer gleich ein schlechtes Gewissen machten, wenn er angesichts kunstvoller Werke und schöner Begebenheiten ab und an mal ins Träumen geriete. Und Christine Hamel gibt dem interessierten Reisenden neben den notwendigen Anweisungen zum kunsthistorischen Stand der Dinge genügend Stoff zum Denken und Träumen, berichtet von Künstlern und Schriftstellern wie Puschkin, Gogol oder der wunderbaren und rätselhaften Marina Zwetajewa und weist uns immer wieder auf Besonderheiten und zauberhafte Details hin, bevor man sich die Augen reibt und weitertaumelt zu den nächsten Gebäuden und Sammlungen. Besonders St. Petersburg ist da ja unerschöpflich.
Russland, ein Märchenland? Die Autorin ist zu klug und kennt ihr Russland auch zu gut, um die notwendigerweise aufgerufenen Klischees nicht gegen den Strich zu bürsten, indem sie den sowjetischen und den alten und neuen russischen Alltag im Schatten der alten prachtvollen Kunstwerke immer wieder aufscheinen lässt. Aber sie unternimmt dies, ohne uns zu drängen, ohne Zeigefinger, ohne pergamentene Gelehrsamkeit. Selbst in den unendlich erscheinenden Sälen der Eremitage hält sie immer wieder kurz inne, um uns etwa die schöne Judith des Malers Giorgione zu zeigen, «die so anmutig sanft ihren Fuss auf das abgeschlagene Haupt des Holofernes gesetzt hat, dass sich aller Schrecken der Szenerie in Wohlgefallen auflöst».
Die Gliederung ist übersichtlich und vortrefflich bebildert, der praktische Reiseteil spärlich, Karten und Pläne erlauben eine rasche Orientierung an den jeweiligen Orten.
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