Mythos Tibet geheimnisvoll und sagenhaft bleibt das Land, vor allem bleiben es seine Menschen und ihre einzigartige, außergewöhnliche Kultur auch nach einem Besuch. In Begleitung mit dem DuMont-Kunst-Reiseführer ergeben sich jedoch eine unvergleichlich hohe Zahl an erhellenden Momenten, verliert eine möglicherweise vorher vorhandene Verklärung der Umstände an Substanz. In keiner Weise lässt es aber der Autor, Karl-Heinz Everding, zu, dass die Anziehung Tibets auf den Besucher nachlässt. Das gelingt ihm, indem er über eine gewöhnliche Zusammenfassung kultureller Eigenheiten und nützlicher Ratschläge sowie gut recherchierter örtlicher Hinweise weit hinaus geht. Mir ist kein anderer Reiseführer bekannt, der tiefer in die tibetische Kultur einführt. Bereits in der Einleitung geht er detailreich auf die Religion(en) und die Landesgeschichte ein. Die Gegenwart lässt er zudem nicht außer Acht, sondern behandelt auch die schwierige kulturelle und politische Situation Tibets in der heutigen Zeit.
Der Reiseführer ist verständlich geschrieben. Für die künftigen Reisenden, die sich bislang nur wenig mit dem Land und dem Tibetischen Lamaismus beschäftigt haben, empfiehlt sich aber im Vorfeld, das Buch besonders gründlich zu studieren, um sich in der speziellen buddhistischen Terminologie und vor allem im lamaistischen Pantheon zurechtzufinden und natürlich, um die obligatorischen Tipps und Adressen, die auch in diesem DuMont nicht fehlen, berücksichtigen zu können.
Vielleicht mag mancher Leser überfordert sein; doch die fundierten, tief in das Wissensgebiet leitenden Ausführungen tragen zum Verständnis der Kultur Tibets entscheidend bei.
In dem Reiseführer ist sehr viel Information auf rund 400 Seiten untergebracht. Trotz der großen Fließtexte ist der DuMont gut strukturiert. Die Register sind sehr hilfreich und bei der Reise äußerst nützlich. Zuvorderst sind die wichtigsten Orte vermerkt. Die ausführlichen Register im Anhang sind in die Bereiche Personen und Orte unterteilt. Genaue Routenbeschreibungen erleichtern das Zurechtfinden. Gefehlt hat mir allerdings eine Beschreibung für die achttägige Umwanderung des Namtsho, des "Himmelssees", bei Nagchu ein Zeichen dafür, dass ein Reiseführer immer nur einen begrenzten Einblick gibt, in ein stets noch reicheres Land.
Jedoch ist festzuhalten, dass Everding in seinem Buch weitaus mehr Allgemeinheiten und Details behandelt, welche für die tibetische Kultur zentral sind, die beispielsweise im bekannten Lonely Planet und den anderen Reiseführern erst gar nicht zur Sprache kommen. Der DuMont-Kunstreiseführer ist daher äußerst empfehlenswert übrigens auch als Lesebuch für an der tibetischen Kultur Interessierte, die sich nur zu Hause auf das Abenteuer Tibet einlassen wollen.