Das vorliegende Buch hat mich insgesamt sehr enttäuscht. Doch zunächst zum Positiven:
- Auf Doppelseiten werden jeweils ca. 6 Bilder zu einem Thema mit kurzen Informationen attraktiv "ausgestellt".
- Das Werk beschränkt sich keinesfalls auf Gemälde und Skulpturen, sondern gibt anderen Formen wie Buchmalerei, Glasmalerei und häuslicher Künst viel Raum.
Die Liste des Negativen:
- Das Bemühen, alte ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues zu erproben ist gründlich misslungen. Begriffe wie Gotik, Barock usw. werden bewusst vermieden, man kommt aber zu keiner schlüssigen Neu-Kategorisierung. Das Resultat ist eine verwirrende, unklare Struktur, bei der z.B. die Rennaissance in zwei Kapiteln auseinandergerissen wird, der Impressionismus kaum auffindbar ist, die Künstlergruppe "blauer Reiter" fehlt, wichtige Begriffe wie Kubismus nicht erklärt werden.
- Da den "Nebenformen" wie Glasmalerei" oder "Ars sacra" viel Raum geben wird, bleibt der "Königsdisziplin", dem Gemälde nur sehr wenig Raum. Stiefmütterlich behandelt, wird das ganze 19. und beginnende 20. Jahrhundert (Klassizismus, Realismus, Romantik, Impressionismus, Expressionismus, etc. bis hin zur abstrakten Malerei) in wenigen Seiten unter dem nichtssagenden Titel "Bilder und Ihr Publikum" abgehandelt.
- Das Bemühen, alte Pfade zu verlassen, führt dazu, dass zentrale Künstler wie Michelangelo oder Rembrandt mit der Lupe gesucht werden müssen, da sie nur ganz nebenbei (lustlos?) erwähnt werden.
- Neben den Gemälde-Doppelseiten gibt es viele Textseiten ohne jedes Bild, ohne Zwischenüberschriften, echte "Bleiwüsten".
Also: Um sich einen Überblick über die Kunstgeschichte zu verschaffen ist das Werk in keiner Weise geeignet, um wichtige Begriffe wie "Surrealismus" nachzulesen auch nicht. Wem ein unstrukturiertes Sammelsorium reicht, in dem breit gefächert verschiedenste Phänomene der Kunst angeboten werden, mag zufrieden sein.