Wenn alle Dumont Bildatlanten (Nachfolger der bekannten und bewährten HB Bildatlanten)genau so gut sind wie der über Südengland, dann darf man sie durchaus als brauchbare Quellen für Reiseinformationen empfehlen, besonders solchen Reiswilligen, die ein für sie fremdes Land zum ersten Mal besuchen wollen. Das Konzept dieser Bildatlanten ähnelt sehr den o. e. HB Bildatlanten. Vorrangig wird eine üppige Fülle farbiger Fotos in verschiedenen Fomaten präsentiert. Der Textanteil tritt dagegen etwas zurück, reicht aber fürs Erste aus. Ehrlicherweise muß aber auch gesagt werden, daß zumindest das Südengland-Heft nicht durchgehend optimal gestaltet ist. Das betrifft zum weitaus größten Teil die Präsentation der Fotos. Von rund 150 Fotos sind 30 betroffen.
14 Fotos sind unscharf. Das geht schon mit dem Titelbild los; es ist von oben bis untern so unscharf, dass man überracht ist, im Inneren des Heftes auch scharfe Fotos zu sehen sind. Aber 13 weitere unscharfe Fotos folgen. Die unscharfen Fotos beeinträchtigen den Sehgenuss erheblich.
Einigen großformatigen Fotos fehlt die nötige Brillanz. Eines dieser Bilder ist mit einem Zitat von der Schriftstellerin Jane Austin überdruckt, das offensichtlich die bezaubernde Wirkung der im Bild dargestellten Szenerie unterstützen soll: "Sie blieben oft mit derselben Empfindung und demselben Schönheitssinn stehen ...". Das Foto selbst erstickt dagegen in Trübnis und strahlt keine Spur von lebendiger Schönheit aus. Ein weiteres mißlungenes Foto verwirrt den Betrachter. Die Kreidefelsen von Dover seien hier dargstellt, heißt es in der Bildunterschrift. Jeder der schon einmal Kreidefelsen bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen gesehen hat, weiß, daß sie am stärksten im hellen Sonnenlicht ihre fantastische Wirkung ausstrahlen. Hier hat man aber Bild vor Augen, das den letzten Rest seiner Brillanz im gedämpften Abendlicht verströmt. Ein solches Bild hat der Wanderer nicht verdient. Und dann kommt auch noch eine peinliche Panne hinzu: Das Bild zeigt gar nicht die Kreidefelsen von Dover. In Wahrheit ist hier ein Ausschnitt der Seven Sisters zu sehen, die zwischen Eastborne und Brigthton, als etwqa 250 km westlich von Dover zu finden sind.
Etliche Bilder sind zu dunkel oder zu hell. Man hätte diese Mängel leicht mit dem Computer beseitigen können.
Bei zu vielen Architekturfotos stürzen die eigentlich senkrechtern Linien. Auch das hätte man mit dem Computer korrigieren können.
Es ist noch etwas zu Bildauswahl zu sagen. Manche Motive sind auf Kosten anderer zu häufig dargestellt. Nur ein Beispiel: Der Steinkreis von Stonhenge ist gleich dreimal abgebildet mit 2 sehr guten und einem verwirrenden Foto, das eher eine Baustelle sein könnte. Dagegen ist der im Text hochgtelobte Royal Crescent noch nicht einmal mit einem kleinen Bild zu Ehren gekommen.
Alles in allem hat der Verlag einige Sorgfalt vermissen lassen. Aber wenn das auch hier konkret moniert wurde, ist das bei Weitem kein Verriss. Diese prsönliche Begutachtung soll niemanden von einer Reise nach Südengland abhalten. Im Gegenteil, es ist ein Ansporn, sich mit den eigenen Augen ein Bild zu machen. Und das gleicht alle diese Fehler aus.
Gute Reise wünscht HEJOMI