Selten bin ich den Verlockungen eines faszinierenden Romancovers und eines elogischen Buchtitels so erlegen wie bei diesem Buch.
Vom Inhalt so vielversprechend! Catherine, die Autorin, steht nach 18 Jahren vor den Scherben ihrer Ehe und verarbeitet in diesem Buch Tagebuchaufzeichnungen der Trennungsphase bis zum endgültigen Abschied. Leider ist es ihr dabei nicht besonders gelungen, dieses gleichermaßen fesselnde wie tragische Thema aus ihrem Tagebuch in einen Roman zu überführen. Dem Leser präsentiert sich eben wirklich ausschließlich das Tagebuch; das Buch trägt nicht einmal die Ansätze eines Romans. Bruchstückhaft in einem überaus gewöhnungsbedürftigen, zuweilen ablehnend-intellektuellen bis aggressiven Schreibstil und m.E. kaum überarbeitet sind die Fragmente des Tagebuchs aneinandergereiht. Das Lesen wird zudem erschwert, indem sämtliche Dialoge zwischen Catherine und ihrem Mann ohne Anführungszeichen dargestellt sind und man zu Anfang kaum erkennt, wer von beiden was sagt. Desweiteren pendelt die Autorin ständig zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsform, was insgesamt kein wirklich harmonisches Leseerlebnis ermöglicht.
Ganz sicher hat das Buch seine fesselnden Momente, vor allem zum Ende hin stellte sich bei mir doch jene Ergriffenheit und Trauer ein, die ich den meisten Teil des Buches über vermißt habe. Die grenzenlose Verzweiflung von Catherine und ihrem Mann, die sich offenkundig noch lieben, aber keine Möglichkeit des Miteinanders mehr finden, geht sehr nahe. Catherine Texier ist absolut in der schonungslosen Offenlegung ihrer Gefühle in der wohl schlimmsten Zeit ihres Lebens. Sie verbirgt nichts, selbst persönlichste Gedanken kehrt sie nach außen, vermittelt in ihrer Ausdrucksart aber auch Ablehnung und Distanz.
Trotz meiner zwiespältigen Meinung würde ich dieses Buch durchaus als lesenswert beurteilen.