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Du stirbst nicht: Roman
 
 

Du stirbst nicht: Roman [Kindle Edition]

Kathrin Schmidt
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (36 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Vom Hirnschlag erwacht - die atemberaubende Geschichte einer HeilungHelene Wesendahl weiß nicht, wie ihr geschieht: Sie findet sich im Krankenhaus wieder, ohne Kontrolle über ihren Körper, sprachlos, mit Erinnerungslücken. Ihr Weg zurück ins Leben konfrontiert sie mit einer fremden Frau, die doch einmal sie selbst war.Kathrin Schmidt packt ihre Leser diesmal durch die Beschränkung, und zwar im wörtlichen Sinne. Mit den Augen ihrer erwachenden Heldin blicken wir in ein Krankenzimmer, auf andere Patienten, das Pflegepersonal und den eigenen Körper, der plötzlich ein Eigenleben zu führen scheint. Und wir erleben die mühsamen Reha-Maßnahmen mit, die Reaktionen der Familie, den aufopferungsvollen Einsatz ihres Mannes ? und die bruchstückhafte Wiederkehr ihrer Erinnrung.Was da zutage tritt, konfrontiert Helene mit einem Leben, in dem sie sich kaum wiedererkennt, und das vieles in Frage stellt, was in der neuen Situation so selbstverständlich scheint. Sie entdeckt frühe Brüche in ihrer Biographie, verdrängte Leidenschaften und aus der Not geborene Verpflichtungen. Als ihr bewusst wird, dass ihr Herz sich bereits auf Abwege begeben hatte und sie den Mann, der sie jetzt so eifrig pflegt, eigentlich verlassen wollte, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren.Kathrin Schmidt gelingt das Erstaunliche: Sie macht den Orientierungs- und Sprachverlust nach einer Hirnverletzung erfahrbar und zeigt einen Weg der Genesung, der in zwei Richtungen führt, zurück und nach vorn. Dabei entsteht ein Entwicklungsroman ganz eigener Art, der durch seine innere Dynamik fesselt und durch die Rückhaltlosigkeit, mit der seine Heldin sich mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert, fasziniert. Er überzeugt vor allem durch die bewegende Schilderung eines sprachlichen Neubeginns.

Über den Autor

Kathrin Schmidt, geboren 1958 in Gotha, arbeitete als Diplompsychologin, Redakteurin und Sozialwissenschaftlerin. Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Leonce-und-Lena-Preis 1993. Ihr 1998 erschienener Roman "Die Gunnar-Lennefsen-Expedition" wurde mit dem Förderpreis des Heimito von Doderer-Preises und dem Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1998 ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin. Bisherige Veröffentlichungen: "Poesiealbum 1979", Gedichte, 1982. "Ein Engel fliegt durch die Tapetenfabrik", Gedichte, 1987. "Flußbild mit Engel", Gedichte, 1995. Weitere Titel bei Kiepenheuer & Witsch: "Die Gunnar-Lennefsen-Expedition", Roman, 1998. "GO-IN der Belladonnen", Gedichte, 2000. "Koenigs Kinder", Roman, 2002, "Seebachs schwarze Katzen", Roman, 2005.

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175 von 181 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schicksalsschläge! 6. Mai 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Ganz Ungeheuerliches passiert der Heldin in diesem Roman:
zwischen Wachen und Träumen, zwischen Wahn und Wirklichkeit erlebt Helene einen Alptraum. Sie öffnet die Augen, versteht nicht, wer da ist, was da passiert, wer redet und schweigt, und wo sie sich überhaupt befindet. Liegt sie hier oder jemand anderer?
Die 44 jährige Schriftstellerin Helene hatte eine Hirnblutung erlitten und liegt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie hat fünf Kinder und lebt in der ehemaligen DDR mit den vielen Seen und herrlichen Landschaften. Die Wende liegt schon Jahre zurück, und auch der 11. September in New York hat das Gesicht der Welt inzwischen verändert.

Helenes Mann Matthes erscheint bei ihr, die Kinder tauchen auf,--sie jedoch kann nichts richtig einordnen.

In unglaublich eindrucksvollen Bildern beschreibt die Autorin Kathrin Schmidt Erlebnisse, die jedem passieren könnten. Sie sind an Schrecknissen in ihrer Ohnmacht kaum zu überbieten. Die unmittelbaren Erfahrungen muten wie authentische Ereignisse an. Aus Sicht der Betroffenen erlebt man mit, wie hilflos sich Helene in ihrem Zwischenreich fühlt. Sie kann kaum begreifen, was um sie her geschieht. Bilderfetzen kommen und gehen, Menschen erscheinen und betätigen sich an ihr, ohne dass sie auch nur die mindeste Mitsprache hätte. Selbst die Ansprüche ihres Körpers liefern sie der Hilfe anderer aus, indem sie sich in den intimsten Bereichen ihrer Autonomie beraubt sieht. Der Leser erfährt unmittelbar, als sei er selbst betroffen, wie absolut kreatürlich schwach man ist, wenn man sich nicht mehr artikulieren kann.

In langen Rückblicken erinnert sich Helene ihrer vergangenen Jahre: das Leben mit den Kindern, Umzüge Schwangerschaften, Zwietracht, Missverständnisse und Entfremdungen, die ihre Ehe mit Matthes zu zerstören drohten. Es sind Gedanken, die sich einstellen und vergehen. Immer aus der Perspektive der Protagonistin erleben wir den Widerhall eines Lebens, dass von Unwägbarkeiten und Unruhe gekennzeichnet war. Mit Spannung folgt man ihrem Krankheitsprozess und der langsamen Rückkehr ins Leben.

In diesem Buch wird das Schicksal eines Menschen beschrieben, der von einem Tag auf den anderen aus allen Bezügen geworfen wurde. Da war keine Möglichkeit, Ungeordnetes zu ordnen und den Lebenszyklus ins Reine zu bringen. Großartig werden Stimmungen eingefangen und innere Zustände registriert. Dramatisch sind die Einschübe verloren gegangener Erinnerungen, die als Assoziationen aus der Tiefe des Vergessens auftauchen.

Einfühlsam, reflektiert in Ausdruck und Gedanken entwirft Kathrin Schmidt das Vollbild einer Krankheit, bei der Psyche, Geist und Körper als Einheit verloren gegangen sind. Einem Puzzlespiel gleich wird Vergangenheit und Zukunft in sporadischen Bildern zusammengefügt. Kafkaeske Zustände entstehen, und in der höchst sensiblen Erzählung zeigt die Autorin unser fragiles Gleichgewicht und die möglichen Bedrohungen für unsere leibliche Existenz.
Eine ausgezeichnete Schriftstellerin gilt es mit Kathrin Schmidt zu entdecken!
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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
ich habe es genauso erlebt! 8. November 2009
Von NUKNUK
Format:Gebundene Ausgabe
Vieles, was in dem Buch geschrieben wird, habe ich am eigenen Leib erfahren und kann diese Geschichte voll und ganz bestätigen.Es gibt boshaftes Pflegepersonal und Versuche der Entmündigung. Das Buch sollte man nicht lesen, wenn man depressiv ist. Zur Information, wie sich ein Mensch fühlt, der diese Krankheit gerade durchmacht ist es ausgesprochen nützlich und fördert vielleicht das Verständnis für den Mitmenschen. Es sollte Pflichtliteratur während der Ausbildung in einem Pflegeberuf sein. Die "Sachsenklinik" gibt es in der Wirklichkeit nicht. Die Erzählweise ist etwas gewöhnungsbedürftig, gibt aber das innere Chaos der Gedanken und Gefühle ausgezeichnet wider. 5 Sterne von mir.
Du stirbst nicht
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52 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Leben zurückerobern 22. September 2009
Von S. Epperlein TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das erste, was Helene Wesendahl hört, ist das Klappern von Besteck, vom Silberbesteck ihrer Großmutter.
Helene nimmt erst ganz allmählich wahr, dass sie in einem Krankenzimmer liegt, die Personen um sie herum ihre Familie ist. Sie leidet an einer rechtsseitigen Lähmung mit Sprach- und Gedächtnisverlust. Dass sie eine Hirnblutung hatte, begreift Helene erst später.
Zunächst erscheint Helene alles wie ein Albtraum, sie ringt um Verstehen. Sie hört "Afasie" und versteht Anfang sieben. Bevor die Sprache zurückkommt, füllt sich Helenes innere Leere mit Erinnerungen, Erinnerungen an ihre Kindheit in Ostberlin, Eheschließung, Geburt der Kinder. Die letzten Wochen vor der Hirnblutung bleiben zunächst verschlossen. Helene fühlt sich ausgeliefert, unfähig, Wünsche zu äußern.

Der Leser verfolgt in dieser Geschichte der Geschichte eines Menschen, der sich verloren zu haben scheint und darum kämpft, sich wiederzufinden.
Ihr Ehemann Matthes versorgt sie fürsorglich, veranlasst die Verlegung auf eine besser ausgestattete Station und dann in die Rehaklinik Heidemühlen.
Dies alles schildert Kathrin Schmidt aus der Sicht der Betroffenen, konsequent die Ich-Form meidend. In eindrucksvollen Bildern erfährt der Leser die Hilflosigkeit und Schrecknisse Helenes.
Sehr eindrücklich beschreibt die Autorin die Aufarbeitung der Vergangenheit. Weitere Erinnerungen kehren zurück - wollte sie, Helene, Matthes nicht gerade verlassen? Diesen Mann, der nun fast täglich an ihrem Krankenbett steht? Mit Wucht kehrt die Erinnerung an Viola zurück, eine transsexuelle Frau. Wollte sie deshalb ihren Mann verlassen?

Erst in der Rehaklinik erfährt Helene, dass ihr zweiter Roman gerade erschienen ist. Dass sie, die Schriftstellerin, die durch Sprache lebt, nun "sprachlos" ist. Sie hat ein "Kapazitätsproblem". Die Genesung ist langwierig. Zugleich zeigt Kathrin Schmidt für Helene aber auch einen Weg nach vorne, eine Befreiung durch die Rückgewinnung der Sprache.

Dass man sich als Leser so gut einfinden kann, der Roman so authentisch ist, mag daran liegen, dass Kathrin Schmidt selbst 2002 eine Hirnblutung erlitt.
Der Roman ist aber nicht jammernd oder mitleidend. Sprachlich knapp und mitleidlos beschreibt die Autorin die Selbstwahrnehmung der Protagonistin.
Hervorzuheben ist das hohe sprachliche Niveau. Manche Sätze erscheinen fast lyrisch. Allerdings schlägt das Kunstvolle manchmal fast ins Künstliche um, die manche Passagen mehrfach lesen lassen.

Dieser sensibel erzählte Roman von Kathrin Schmidt überzeugt sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Er ist zu recht für den Deutschen Buchpreis 2009 nominiert.
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Veröffentlicht am 22. Mai 2010 von Peter der Treter
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