kulturnews.de
Leena Lehtolainen hat einen Alles-wird-gut-Roman geschrieben und ihn in ein Krimikostüm gezwängt. "Du dachtest, du hättest vergessen" handelt von einer Familie, in der vor einem Vierteljahrhundert Tragisches passierte: Der Großvater wurde von seinem Sohn erschlagen, der Verurteilte beging später im Gefängnis Selbstmord. Die restliche Familie schweigt auch 25 Jahre später beharrlich über den Vorfall - nur Katja, Enkelin des Ermordeten, stellt neugierige Fragen. So beginnt der neue Roman der finnischen Autorin, doch schon nach wenigen Seiten geht es nicht mehr um den alten Mordfall. Stattdessen porträtiert Lehtolainen Katja, ihre Verwandten und deren Probleme - Katja selbst ist alkoholabhängige Bulimikerin, ihre Mutter eine vertrocknete Hausfrau, ihr Bruder ein tablettensüchtiger Autobahnraser, ihr Onkel ein misanthropischer Autor, die Tante eine egozentrische Esotussi. Abwechselnd schlüpft Leena Lehtolainen als Ich-Erzählerin in ihre verschiedenen Figuren und präsentiert Biografien, die sprachlich gut beschrieben, in ihrer Klischeehaftigkeit aber nahezu unerträglich sind. Obendrein führt sie fast alle Familienmitglieder am Ende auf einen besseren Weg, sie beschert ihnen die große Liebe, Erfolg, Zufriedenheit, lässt sie optimistischer in die Zukunft blicken. Der letzte Satz des Romans lautet: "Alles ist möglich." Eine Wahrheit für Lehtolainens Figuren. Eine maßlose Übertreibung für den Leser. (jul)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Denn keine Familie ist ohne Schuld. Finnland im Spätsommer. Katja fährt zur Beerdigung ihrer Großmutter ins abgelegene Pielavesi. Sie ahnt, dass nicht nur der Abschied von einem geliebten Menschen ansteht. Schon zu lange lastet ein schreckliches Geheimnis auf ihrer Familie. Als Katja versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, stellt sie bald fest, dass die Schuld nicht nur einen trifft ... «Nach dem Erfolg ihrer Krimiserie mit Kommissarin Maria Kallio ist Leena Lehtolainen nun ein Roman gelungen, der immer tiefer in den Morast eines gutgehüteten Familiengeheimnisses eindringt.» Brigitte
Über den Autor
Geboren 1964 in Vesanto, veröffentlichte sie bereits mit 12 Jahren ihr erstes Buch. Den Durchbruch als Krimiautorin schaffte sie 1993 mit "Alle singen im Chor", worin Kommissarin Maria Kallio das Licht der Welt erblickte. Sie erhielt 1997 den finnischen Krimipreis Vuoden johtolonka. Leena Lehtolainen arbeitet auch als Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin und lebt heute in Degerby, westlich von Helsinki.
Auszug aus dem ersten Kapitel. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Deutsch von Gabriele Schrey-Vasara