Diese Aussage möchte man gerne glauben. Doch wenn man dieses Buch gelesen hat, wirkt nichts mehr, was man über den Schlaf zu wissen glaubte, wie eine sichere Erkenntnis. Noch vor ein paar Tagen hätte ich vermutet, dass man - wie der Durchschnittsmensch - vor Mitternacht ins Bett gehen sollte und dann nach sieben oder acht Stunden Ruhe auf einer in irgendeiner Weise gesunden Unterlage dem Ideal des naturbelassenen Schlafes Genüge getan hätte.
Nun jedoch weiß ich, dass die vorindustriellen Menschen ganz anders schliefen. Sie kannten einen ersten und einen zweiten Schlaf. Zunächst schliefen sie bis Mitternacht, erwachten, lagen dann zwei Stunden in meditativer Ruhe oder zeugten Nachkommen und setzen danach ihren Schlaf fort. Inzwischen ist auch zweifelsfrei bestätigt, dass dieser Rhythmus sich von alleine wieder einstellt, wenn man Menschen ihre Uhren abnimmt, sie isoliert und natürlichen Lichtverhältnissen aussetzt. Das verblüfft, zumal sich danach ein anderes Wachgefühl ergeben soll, das die Probanden vorher noch nie erlebt hatten.
Den Inhalt dieses Buches zu beschreiben, fällt schwer, denn dazu ist er einfach zu vielfältig und keineswegs so klar, wie man sich dies vielleicht vorher erhofft hatte. Ich hatte zunehmend den Eindruck, dass wir eigentlich fast nichts vom Schlaf wirklich sicher wissen. Und selbst das, was einst sicher erschien, wird auf einmal kontrovers diskutiert. Der Autor macht sich leider auch nicht die Mühe, uns wenigstens die Illusion eines irgendwie strukturierten Wissens zu vermitteln. Ganz im Gegenteil. Er gliedert sein Buch nach den Uhrzeiten der Nacht, was jedenfalls meine Verwirrung noch verstärkte.
Sein Werk beginnt um 21 Uhr mit der Dämmerung. Dann erzählt er uns, was in dieser Zeit so alles mit unserem Gehirn passiert, analysiert die Vorgänge und beschreibt, was man darüber weiß oder gerade zu wissen glaubt. Und diese Art der Darstellung setzt er dann bis zum frühen Morgen fort. Rein inhaltlich ist sein Text hochinteressant, wenngleich man irgendwie die praktische Botschaft vermisst. Darüber hinaus verfällt Hürter in die nervige Angewohnheit von Neurologen, uns immer wieder zu erklären, welche Gehirnregionen mit ihren überaus leicht zu merkenden Namen auf ihren Computerbildschirmen rot oder grün aufleuchten, wenn dies oder das in unserem Schädel passiert. Das interessiert wahrscheinlich nur die Wenigsten und soll möglicherweise verschleiern, dass mehr eigentlich auch nicht bekannt ist.
Wer also irgendwelche praktischen Erkenntnisse in Form von vernünftigen und wohltuenden Regeln für einen besseren Schlaf von diesem Buch und nach diesem Titel erwartet, wird sicher enttäuscht sein. Der Text gibt wohl eher das gegenwärtige und das inzwischen abgelöste, ehemals als sicher geltende Wissen über den Schlaf wieder und beschreibt dabei mehr die offenen Fragen als den sicheren Hafen der Erkenntnis. Lehrreich erschien mir dieses Buch jedoch allemal. Beispielsweise habe ich gelernt, dass der etwas verwirrende Zustand, in dem man träumt und genau weiß, dass man dies tut, nicht auf dem Weg zum Wahnsinn liegt, sondern normal und sehr nützlich ist und sogar bewusst erzeugt werden kann.
Fazit.
Ein hochinteressantes Buch über das, was die Forschung gegenwärtig über den Schlaf zu wissen glaubt. Leider ist es etwas unstrukturiert geschrieben. Mir fiel es im Nachhinein ungewöhnlich schwer, etwas im Text wiederzufinden, was ich vor einem Tag gelesen hatte. Das Buch orientiert sich an der Schlafforschung und vermittelt aus meiner Sicht keine oder nur sehr wenige praktisch umsetzbare Erkenntnisse.