Vor sechs Jahren landete Sabine Kuegler einen Bestseller mit »Dschungelkind«, dem autobiografischen Buch über ihre Kindheit unter den Ureinwohnern West-Papuas. In »Dschungeljahre« kommt nun Sabines Mutter zu Wort.
Doris Kuegler hatte alles andere als eine behütete Kindheit. Sie wollte schon sehr früh Missionarin werden und machte deshalb eine Ausbildung zur Krankenschwester. Ende 20 lernte sie ihren Mann kennen und sie entschlossen sich, in die Mission zu gehen. Als Ende der 1970er Jahre die Fayu entdeckt werden, zieht Familie Kuegler in den Urwald, um ihre Sprache zu lernen, ihnen von Jesus zu erzählen und ihnen praktische Hilfe zu geben.
Die Autorin erzählt verschiedene Begebenheiten aus der langen Zeit, die sie im Dschungel lebte. Unter anderem beleuchtet sie auch die Situation der Fayu vor ihrer Entdeckung und die Veränderungen durch die Ankunft der Missionare, die ihnen halfen, die Blutrache zu überwinden. Außerdem berichtet sie vom Leben als Hausfrau fernab der Zivilisation, von Familienleben und Freizeitgestaltung jenseits von Fernsehen, Spielplätzen und Museen. Als Krankenschwester kümmerte sie sich um die Verletzungen der Fayu und später unterrichtete sie die Kinder in Lesen, Schreiben und Rechnen. Sehr interessant sind außerdem die Berichte aus der Sicht der Ureinwohner über die erste Begegnung mit den Weißen. Außerdem erfährt man hier deutlich mehr über die geistliche Situation als bei Sabine, die vom Glauben nur selten spricht.
Für mich bleiben einige Fragen offen, die ich mir aus einem Buch aus der Sicht der Mutter erhofft hätte, gerade in Bezug auf ihre Kinder. Wie geht man damit um, wenn ein Kind vom Leben unter den Eingeborenen psychisch angegriffen ist? Von der Zeit mit Kindern landet man plötzlich in der Zeit ohne Kinder, diese sind in die Zivilisation zurückgekehrt, darüber berichtet wird nicht. Auch hier hätte mich interessiert, wie es war, sie in eine so ferne Welt zu entlassen.
Vermutlich wollte die Autorin nicht mehr erzählen. Immerhin ist das ihre private Geschichte, die Geschichte ihrer Kinder. Oder wollte sie nur nicht wiederholen, was bereits ihre Tochter geschrieben hatte? Aber gerade ihre andere Sicht auf die Dinge wäre doch interessant gewesen.
Im letzten Kapitel findet man sich dann im Hier und Heute wieder. Doris Kuegler lebt inzwischen in Deutschland und berichtet kurz über ihr Wiedereingewöhnen.
Fazit: Wer sich die Sicht der Mutter auf Sabine Kueglers Buch erhoffte, dessen Erwartungen werden nur teilweise erfüllt. Eine »typische« Missionarsbiografie ist es auch nicht. Dafür gibt es zu große Lücken, zu wenig Wunder, Bekehrungsberichte und »auferbauende Glaubenserfahrungen«. Das ist jedoch kein Manko. Doris Kuegler erzählt eben einfach aus ihrem Leben, authentisch und schön geschrieben.