Von allen mir bekannten neueren Filmen, welche die Lebensgeschichte Dschingis Khans zum Thema haben, ist "Sturm über Asien" der schlechteste. Abgesehen von der tadellosen Kameraführung, die Bilder einzigartiger Ausdruckskraft einzufangen vermochte, ist an diesem Film nicht viel Positives zu vermerken. Das fängt bei der blühenden Fantasie des Romanschreibers an, geht über das miserable Skript weiter und endet im Stückwerk des Schnitts bzw. der offensichtlich nur auf Actionszenen Wert legenden Regie. Das Ergebnis ist haarsträubende Geschichtsklitterung der übelsten Sorte, garniert mit äußerst banalen, schwülstigen Dialogen und vollkommen überflüssigen Szenen (das Köpferollen der Enthauptungsszene, das Wurfspiel mit den abgehackten Köpfen, die Schamanen-Sequenzen). Wer nicht viel zu sagen hat, läßt halt seine Komparsen reiten, was das Zeug und die Kameraschienen herhalten, und genau das ist hier der Fall, endlos, wie die Haudraufaktionen der viel zu langen Kriegsszenen. Dafür fallen dann andere, erst etwa zehn Jahre nach Dschingis Khans Tod in der "Geheimen Geschichte der Mongolen" mitgeteilte Fakten unter den Tisch, obwohl sie dramaturgisch sehr viel hergegeben hätten (die Brautwahl, die Erschlagung des Blutsbruders Jamukha Gurkhan durch dessen Gefolgsleute, die Einnahme Pekings). Desweiteren hieß der englische Benediktinermönch, der Teile der Lebensgeschichte des Khans in seiner "Chronik" anführte, nicht John, sondern Matthäus Parisiensis (Matthew Paris). Beim Großkhan der Mongolen hat sich der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruk aufgehalten, der auf Weisung des französischen Königs Louis IX. auf der Suche nach dem sagenhaften König Johannes nach Asien reiste. Die Liste der historischen Fehler in diesem konfusen, bisweilen lächerlichen Streifen wäre uferlos, wollte man alle aufführen. Aber selbst dann, wenn man diesen Film nur als Unterhaltungsware ohne weiteren Anspruch betrachtet, ist es lediglich ein über weite Strecken langweiliges und konfuses Machwerk, das den Großkhan als den Frieden suchenden Eroberer hinstellt, obwohl er als grausamer Massenmörder in die Annalen der Geschichte eingegangen ist.
Die Akteure waren sichtlich bemüht, ihren Rollen gerecht zu werden, doch allzu oft kam dabei nur grimmassierendes Mienenspiel heraus. Die deutsche Synchronisation ist akzeptabel, wenngleich der Sprecher des Mönches die korrekte Aussprache des Lateins nicht beherrscht.
Wäre ein sich mit Dschingis Khan befassender, spannender und einigermaßen korrekter Film zu empfehlen, so würde ich zu "Der Mongole" mit Tadanobu Asano greifen, der 2008 vollkommen zu Recht die Oscar-Nomierung als bester ausländischer Film erhalten hat.