Mit großer Vorfreude hörte ich mir gestern sämtliche neue Hörspiele zum Rollenspiel DSA an. Da ich großer Fan der Hörbücher bin ( z.b. Jahr des Greifen, Greifenopfer, Scharlatan ) hatte ich Hoffnung, hiermit viel Freude zu haben.
Das war ein Irrglaube.
DSA Spieler, die gerne auch mal DSA-Romane lesen kennen sich in der Regel ganz gut in Aventurien aus. Vor allem das tägliche Leben der aventurischen Lebewesen ist durch zahlreiche Romane und Regionalerweiterungen gut beschrieben worden.
Hört man sich nun dieses Hörspiel an, beschleicht einen schnell das Gefühl, dass hier sämtliche Merkmale der DSA Welt zum Ausverkauf stehen. Hier wird nur so mit Schwarzmagiern, Hexen, Ogern und Ungeheuern um sich geworfen. Sämtliche Charaktere sind ohne jegliche Tiefe dargestellt und bieten meist nur Raum für die klischeehafte Anhäufung von stereotypen Verhaltensformen.
So sind in diesem Hörspiel genau fünf wichtige Personen.
Person 1: der Dorftrottel, der intuitiv Magie nutzt. Er hat immer Angst, weiß sich nie selbst zu helfen und ist offensichtlich auf den Kopf gefallen. Intuitive Magie ist ein guter Ansatz aber in Kombination mit einem solchen Hohlschädel wohl kaum nachzuvollziehen.
Person 2: Der Streuner, dem nur die Dukaten wichtig sind. Das Wohl und Leid von anderen ist ihm egal, für ihn zählt was er an Gold herausschlagen kann. Dafür hat er aber ein großes Mundwerk. Damit die Figur auch besonders glaubwürdig *hust* rüberkommt, wird einfach immer wieder der Gott Phex angerufen. Sehr eindimensional.
Person 3: Der Söldner, der für ein paar Silberlinge in den Kampf zieht. Nicht besonders klug, nicht besonders witzig, meist recht schnell zu reizen und eigentlich komplett überflüssig. Er hat nichts zu erzählen und ist ein wandelndes Klischee.
Person 4: Die Hexe, die sich mit ihrem Seelentier unterhält und ansonsten eigtl gar keine Bösen Absichten hat. Sie zieht mit dem Söldner umher und versucht unentdeckt zu bleiben. Dabei tarnt sie sich als Krämerin. Schön und gut, aber hier wird völlig außer Acht gelassen, dass auch Hexen in Aventurien nicht "hauptberuflich Hexen" sind. In der Regel sind es Frauen, die ganz normal einem Handwerk oder einer Tätigkeit nachgehen, wie andere auch.
Person 5: Der böse Schwarzmagier, der gerne Dämonen beschwört. Wer kennt ihn nicht. Den bösen Magier, der Bestien aus den Niederhöllen herauszieht um sie auf Dere wandeln zu lassen. Eigtl dient er in diesem Hörspiel nur als Pappfigur, denn wirklich erscheinen will er nie. Stattdessen ist er gerade unterwegs und nur sein Schloss, seine Kreaturen und seine Magie sind von Belang. Das ganze ergibt weder Sinn, noch wird es zum Ende aufgeklärt.
Die Handlung ist extrem wirr und hat kein sinnvolles Ende - im Gegenteil, man geht davon aus, dass das ja wohl kaum ernsthaft so enden soll, aber offensichtlich doch. Wieso macht der böse böse Schwarzmagier das überhaupt alles? Was ist mit den anderen verschwundenen passiert? Kommt die Hexe noch an die Bücher, die sie haben möchte?
All diese Fragen bleiben unbeantwortet und so lässt sich in sämtlichem Treiben kaum eine Motivation erkennen.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass echte Rollenspieler an diesem Etwas gefallen finden. Jemand, der allerdings keine Ahnung hat, was DSA wirklich ist, könnte durchaus kurzweilig unterhalten werden.