Hamburger Musik- und Varieté-Liebhabern sind Elbtonal Percussion, zuvor auch als Elbtonal Schlagwerk bekannt, längst ein Begriff. Die vier klassisch ausgebildeten Schlagzeuger und Perkussionisten zelebrieren seit Jahren mit einem Gros an Rhythmusinstrumenten eine groovende, melodische, polyphone und vor allem live höchst unterhaltsame Melange aus klassischer bzw. "neuer" Musik, Jazz, World Beats, Minimalism, Pop, Experimentellem, Pop und elektronischen Beats.
Nach zwei CDs mit zumeist mehr klassisch orientierten, längeren Instrumental-Tracks haben sie mit ihrem dritten Release Drumtronic einen Quantensprung nach vorne gemacht. Die überwiegenden Eigenkompositionen pendeln unheimlich lässig zwischen Perkussionsarbeit und fetten Elektronikbeats hin und her, und die vier Hanseaten beweisen sich auch im Umgang mit Techno-, Rap- und Drum'n'Bass-Rhythmen als sehr phantasievoll. Die Beats und Samples grooven unaufhaltsam berauschend voran, und die vier Rhythmiker brillieren durch ausgefeilte Arrangements, Fusionen von Silmittel und solitischem Können, das niemals langweilig wird oder dem Selbstzweck dient. Einer der Höhepunkte ist sicherlich der Killer-Groove-Track "Jazzit", nicht nur von der Namensgebung her eine der coolsten Reminszenzen an Herbie Hancocks Rap-Klassiker "Rockit" von 1983.
Überhaupt setzen die Musiker der "ernsten" Musik viel Witz und Spielfreude entgegen, und so erscheinen selbst das avantgardistische Minimalstück ... und die wundervolle Bearbeitung von Debussys "Claire de Lune" als kompatibel für jeden weltoffenen Chill-Out-Sampler. Fazit: Wer sich unter klassischer Perkussionsmusik wirklich noch noch biedere, langweilige Frackträger mit Zimbeln und Triangeln vorstellt, dem sei "Drumtronic" wärmstens als Gegenargument empfohlen. Zweifellos einer der besten musikalischen Grenzgänge des Jahrs 2003 und ein Sieg der Kreativität und des Könnens im Zeitalter von Bohlen, Superhirnis und Co.!