Lange war es ruhig um den beinahe legendären Soundtüftler. Umso überraschender und einschlägiger war seine Rückkehr: 30 Titel verpackt auf 2 CDs bescheren dem erwartungsvollen Hörer weit über 90 Minuten ausgefeilte elektronische Verwirrung. Stilistisch einordnen lässt sich Aphex Twin ohne weiteres sowieso nicht, denn nachdem dieser Mann seinem Ambient Schaffen mit dem "Richard d. James Album" abgeschworen hat, mussten verstörte Kritiker eine neue, als "Intelligent Techno" beschriftete, Schublade in ihrem musikalischen Denken einrichten. Elektronische Musik, die nicht für Dancefloors und Clubs konzipiert wurde (dort wohl auch kaum tanzbar ist), sondern als gleichwertige künstlerische Nische die Aufmerksamkeit des Zuhörers, dessen Verständnis und Anspruch seit langem wieder erforderlich wurde, beanspruchte.
Zugegebenermaßen war dies zu Begin der Neunziger und im Lager der alternativen elektronischen Musik hat sich einiges getan. Somit kann man "Drukqs", das fast nahtlos an der Stelle weitermacht, wo der exzentrische Eigenbrödler mit seinem letzten Album aufgehört hat, ohne den kurzen Zwischenspielen ("Come to Daddy", "Windowlicker") Beachtung zu schenken, nicht mehr unbedingt als innovativ oder revolutionär bezeichenen. Sein neues Werk ist zugegebenermaßen etwas ruhiger, ja eigentlich ausgeglichener, als man es gewohnt ist, ohne jedoch an Charme und Biss verloren zu haben. Zerfetzte Drumexzesse, welche zum Markenzeichen Richards geworden sind, mischen sich mit entspannten Ambient Klangtäppischen und Klaviermalerei. Filigrane Sphären werden kreiert, zerstört, vergewaltigt, recycelt - nur um in die nächste bizarre Geräuschcollage überzugehen. Eigenwillige Songtitel, Anrufbeantworterständchen und außermusikalische Elemente sind nur ein Teil des Ganzen, das die Originalität und Vielseitigkeit von "Drukqs" dokumentiert. Kein Song ähnelt dem anderen und das Album entwickelt eine faszinierende Dynamik aus Krampf, Wahnsinn und Melancholie, welche auch mal aneinander geraten, jedoch immer am Ende zu homogenen Klanggebilden verschmelzen. Anstrengend? Durchaus ... Mit den häufig gleichartigen Drum'n'Bass Ablegern der vermeintlichen Genrekollegen hat dieses virtuos konstruierte Zeugnis des ehemaligen Pioniers nicht viel gemein. Aber wie so oft wird die intensive Beschäftigung mit diesem Werk belohnt, denn dem geneigten Hörer wird sich eine unglaublich detaillierte, komplexe und zeitlose Komposition erschließen, die auch noch in 10 Jahren, nach sämtlichen Hypes, ihre Berechtigung haben wird.