Ich empfehle das Buch auf jeden Fall, auch wenn da einiges drinsteht, was ich keinesfalls so unterschreiben würde.
Meine ganz persönliche Empfehlung: Erst einmal alles über die Druiden in einem allgemeinen Keltenbuch lesen, oder von Miranda Green oder Birkhan oder so.
Dann: Guyonvarc'h und Le Roux's Druidenbuch lesen (da ist das ganze irische Zeugs aufgearbeitet)
Und dann Brunaux lesen.
Denn letzterer setzt irgendwo ein gewisses Basiswissen über Kelten voraus, und auch die Kenntnis von Guyonvarc'h und Le Roux ihrem Buch scheint sinnvoll, um die Kritik und den radikal anderen Ansatz von Brunaux besser zu durchblicken.
positiv:
Brunaux wertet fast alle Quellen aus der Antike aus, dazu auch einiges an archäologischen Erkenntnissen. Nach der Lektüre kann man jedenfalls nicht mehr behaupten, dass Poseidonios was mit dem Meer zu tun hat. ;-) Neben diesem wird ausführlich über Caesar, Plinius, Strabon, Diogenes Laertios, Diodorus Siculus etc. berichtet. Man lernt auf sehr interessante Weise all diese Herrschaften kennen, ihren Lebenskontext, ihre möglichen Motivationen, dieses oder jenes (nicht) geschrieben zu haben, usw. Weiters wird auch der gallische Krieg sowie vorangegangene gallische Konflikte beschrieben und versucht, historische Zusammenhänge samt Folgen zu erklären, was oft einen neuen Blick auf die Materie schafft, zumal alles recht verständlich geschrieben ist.
Brunaux hat einen konträren Ansatz zu Guyonvarc'h und Le Roux. Während letztere eine Art Pandruidismus von der nördlichen Spitze Irlands bis nach Galatien annehmen und den Druidenbegriff zugleich auch auf die andere geistige Elite (filid, Barden, Vaten) anwenden, behauptet Brunaux das genaue Gegenteil, nämlich dass die Druiden in ihrem historischen Kontext ausschließlich für Gallien und Umgebung wirklich bewiesen sind, und dass sie eine eigene Gelehrtengruppe darstellen, die für sich nichts mit den Barden, Filid oder Vaten zu tun hat. Dazu schlachtet er die antiken Quellen in genauester Analyse-Arbeit aus, v.a. die frühen griechischen Quellen, denen er mehr traut als den späteren römischen.
Sehr aufschlussreich und interessant fand ich seine historische Analyse in Bezug auf die Existenz der Druiden, die er auf ein paar Hundert Jahre, von Beginn der La Tène-Zeit bis ca. 1. Jhdt. v. Chr. ansetzt. Diviciacus ist für ihn schon ein degenerierter Druide, was er auch sehr gut begründet. Und für Druiden in Irland sieht er keinerlei historische Beweise, sondern nur christliche Wunschvorstellungen, die zufällig die bösen Zauberer eben Druiden nennen.
Er versucht eine (Re)Konstruktion der Druidenlehre, basierend v.a. auf den historischen Fakten, den historischen Beschreibungen und angelehnt an die Pytagoräer, die von den Quellen immer wieder genannt werden. Vieles davon klingt sehr einleuchtend und interessant, bei anderem lehnt er sich m.E. viel zu weit aus dem Fenster und macht letztlich denselben unwissenschaftlichen Fehler wie Guyonvarc'h und Le Roux: Er hält Quellen zurück, die seine Hypothesen widerlegen, und damit komm ich zum
Negativen:
Als Archäologe müsst Brunaux klar sein, dass Behauptungen auch Beweise brauchen, um halbwegs sinnvoll als Thesen durchzugehen. Einige Dinge, die Brunaux nun über die Lehre der Druiden oder ihre (Nicht)verbreitung behauptet, scheinen mir aber schlicht eine Wunschvorstellung in Ermangelung schlagkräftiger Quellen zu sein. Insofern hätte er sich die Kritik an Guyonvarc'h und Le Roux (und anderen) sparen können, die ähnliche Fehler gemacht haben.
Er behauptet z.B., dass die Druiden eine eigene Religion und Philosophie gegründet hätten, die sich von der Volksreligion abgehoben hätte (soweit klingt das noch vernünftig). Infolgedessen hätte es keinen Privatkult mehr gegeben (den archäologischen Beweis dafür bleibt er schuldig), es hätte eine Karmalehre mit Erlösungsgedanken gegeben - ähnlich wie im Hinduismus (keinerlei Quellen, die das stützen), die Druiden wären alleinige Besitzer über das Wissen über die Schrift gewesen und hätten dieses Wissen dem restlichen Volk vorenthalten (keinerlei Beweise - die erhaltenen gallischen Inschriften können von sonstwem stammen), es wäre verboten gewesen, Götterstatuen anzufertigen, denn man fände in der gesamten La Tène-Kultur keinerlei Götterbilder (Roquepertuse verschweigt er hier vollkommen, ebenso die gefundenen Pfahlgottheiten und andere Bildnisse).
Auch behauptet er, dass mit dem römischen Reich jegliche keltische Religiosität verlorengegangen sei, und die normalen Gallier nun zum ersten Mal (im Gegensatz zur Zeit der Herrschaft der Druiden) einen direkten Draht zu den Gottheiten haben konnten, was an den vielen gallorömischen Votivgaben festzumachen sei. Dass der Coligny-Kalender, ein typisch keltischer Zeitmesser, während der Römerzeit datiert wird, verschweigt er, ebenso, dass es auch in der La Tène-Zeit Votivgaben und Opferdepots gibt, deren Inhalt genausogut von 0815-Kelten ganz privat geopfert worden sein können.
Das und seine radikale Ablehnung der Existenz von Druiden außerhalb des gallischen Einflussgebietes, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, macht das an und für sich gut recherchierte Werk doch auch wieder zu einem sehr spekulativen.
Fazit:
Zusammen mit Guyonvarc'h und Le Roux (Fixierung auf Irland) hat man mit Brunaux eine wunderbare Arbeitsgrundlage, was das Druidenthema betrifft, da sich beide Ansätze wunderbare ergänzen (WEIL sie sich widersprechen!).
2. Fazit:
Traue niemandem, auch keinem Archäologen, denn jede/r Keltenforscher/in hat einen sehr subjektiven Blick auf die Materie. Immer selber kritisch nachforschen und v.a. selber denken!
Es gibt von mir daher vier Punkte. Denn trotz der Spekulationen ist es m.E. lesenswert, und die Spekulationen regen durchaus zum Nachdenken an und eröffnen neue Perspektiven.