Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelt es sich um "remastered" Versionen der Demos "Paradise Lost" (Titel 1-3), "Frozen Illusion" (4-6) und dem "Plains of Desolation" Live Bootleg (7-12) von 1988 bzw. 89, sprich einer Zeit in denen der Death/Gothic Metal noch in den Kinderschuhen steckte.
Hinsichtlich der Aufnahmequalität der Titel darf man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, da einerseits die Qualität der Quellen sehr eingeschränkt gewesen sein dürfte, was ich jetzt einfach mal unterstelle, und andereseits die Aufnahmetechnik und somit auch die Demoqualität in den letzten 20 Jahren doch enorme Fortschritte gemacht hat und somit einem Vergleich mit heute nicht mehr standhält.
Was bedeutet dies für die 3 Teile? Beim "PL" Demo hat man mit der Holzhammermethode die Bandlaufgeräusche unterdrückt, was leider auch zu einem Komplettverlust der Höhen führte. Auf dieses wurde bei dem "FI" Demo verzichtet, so dass es wesentlich anhörbarer ist als ersteres und man die "rumpelnden" Songs perfekt geniessen kann. Auch bei dem "POD" Boot wurde Gottlob auf die Rauschunterdrückung verzichtet, jedoch weist der Mitschnitt teilweise die typischen Bootleg Tonschwankungen und Dropouts auf, an die man sich jedoch mit der Zeit gewöhnt (--> gleichzeitig habe ich schon deutlich schlechtere Boots gehört).
Hinsichtlich des Zusammenspiels der Jungs frägt man sich teilweise wie sie es geschafft haben zum gleichen Zeitpunkt zu beginnen bzw. das Spielen aufzuhören. Auch die einzelnen Fähigkeiten sind nicht das Gelbe vom Ei...sie waren einfach noch zu jung. Letzteres äussert sich auch in den markigen, "pseudobösen" Ansagen zwischen den Songs bei den Livetiteln.
Wieso vergebe ich dann trotz des bisherigen Verrisses 4 Sterne? Wären alle Titel so wie das "PL" Demo, so wären maximal 2,5 Sterne drin gewesen (--> insbesondere wegen "Morbid Existence", welches für mich nur atonales Geräusch darstellt). Jedoch kommt mit dem "FI" Demo die grosse Wende und man erkennt die Steigerung innerhalb von 6 Monaten, welche man deutlich (--> spieltechnisch und Struktur)an "Internal Torment" feststellen kann. Bei "Frozen Illusion" deutet Greg Mackintosh die für PL zum Markenzeichen gewordenen Soli an, welche aber noch weit von dem heutigen Stand entfernt sind. Der Bootleg gibt die rauhe, derbe Brutalität der Band zur damaligen Zeit perfekt wieder und erklärt, wie es möglich war, dass trotz der Unzulänglichkeiten Paradise Lost mit zu den Gründervätern des Gothic Metal gehören. Hierzu empfehle ich einfach mal das geneigte Ohr Richtung "Plains Of Desolation" oder "Drown In Darkness" zu richten.
Unterm Strich setzen sich die 4 Sterne aus 3 Sternen für die Lieder + 1 Stern Nostalgie/"Rosa Brille" zusammen, wobei ich die Produktionsqualität komplett vernachlässige.
Natürlich könnte man auch sagen, dass es sich bei dem Tonträger um die Pressung von akustischem Rohrfrei von talentlosen Musikern mit pubertärem Gegrunze handelt und dass dieses nicht mal einen Stern verdient...aber dieses liegt wie so vieles im Auge des Betrachters. Die Entscheidung wie viele Sterne die CD tatsächlich verdient muss jeder für sich selbst treffen.
Kleine Stichelei in Richtung des Hr. Vorrezensenten:
a, Fan der ersten Stunde und dann die Demotapes nicht kennen? Lass mich kurz mal lache...
b, Was hat das "Host" bashing in einer Rezension zu Titeln aus der Frühphase verloren? Geschmack ist relativ und "Host" zählt für mich mit "Gothic", "DT", "SoL" und vor allem "TAOM" zum Besten von PL.
P.S. Kommentare hinsichtlich mangelnder Objektivität interessieren nicht, da meiner Meinung nach alle Musikrezensionen hier auf amazon subjektiv sind bzw. man über das Setzen von geeigneter Rahmenparameter alles in die positive oder negative Richtung werten kann.