Zwei Ökonomen entwerfen ihre Driven-Theorie, die Menschen und Organisationen kultiviert und gerichtet antreiben (können). Sie führen zusammen, was aus ihrer Sicht längst zusammengehört, und zwar Erkenntnisse aus Biologie, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Die Zusammenführung dessen, was die Autoren als biologisch, sozial- und wirtschaftswissenschaftlich bedeutsam ansehen, lässt ein Bild entwerfen, das der Menschennatur gerecht wird. Dieses Bild zeigt Antriebskräfte auf, die in Organisationen wirken bzw. wirken sollen. Anhand empirischer Daten belegen die Autoren, dass dem Menschen vier Triebe zu Eigen wären, die ihn seit Urzeiten in seinem Denken und Verhalten beeinflussen: der Trieb, sich Wesentliches anzueignen, Bindungen zu anderen einzugehen, zu lernen und seine Neugierde zu stillen sowie sich zu verteidigen bzw. das, was man sein Eigen nennt, sich als Eigentum zu bewahren. Unternehmen, die diese vier Antriebskräfte unterschätzen bzw. nicht in ihren Mitarbeitern und in ihrem Unternehmensleben berücksichtigen, „fahren ihr eigenes Unternehmen an die Wand". P. Lawrence und N. Nohrea führen die Geschichte von General Motor ins Feld: dieser Konzern schaffte es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, Marktanteile en masse zu erobern. Doch genau das, was seine Effizienz immens steigerte - die völlige Konzentration auf den Erwerbstrieb - wurde dem Unternehmen dann zum Verhängnis: die Fließbandarbeit, die den Autoren zufolge den Lerntrieb Hohn sprach und weckte Aggressionen, die contraproduktive Verhaltensweisen hervorriefen. Das GM-Credo „Nimm's und lass`s es bleiben!" veranlasste dann nur noch wenige Kunden dazu, sich an dieses Unternehmen zu binden. In vielen Aussagen ist diese Veröffentlichung diskussionswürdig. Zwar heben die Autoren hervor, dass sich die vier Triebe je nach Kultur und persönlicher Sozialisation unterschiedlich äußern und verschiedenartig befriedigt werden. Andererseits basieren menschliche Verhaltensweisen aus Sicht der Autoren ganz klar auf biologische Grundlagen. Dieses Modell macht sich einerseits angreifbar, andererseits ist es höchst interessant, diese Autoren zu diskutieren. Diese Erwartung bringen auch die Autoren zum Ausdruck. Dieselben wissen auch um die Diskussionswürdigkeit ihrer Aussagen und regen somit das Denken und Forschen auf diesem Feld weiter an. Für mich als praktizierender Unternehmer ist diese Veröffentlichung insofern schon wertvoll, als hier Autoren mit der Vorstellung aufräumen, im Business-Alltag seien (rationalere) Kräfte am Werk als in anderen Lebensbereichen.
Ich biete diese Veröffentlichung in meinen Seminaren als ein lesens- und diskussionswürdiges Modell menschlichen Verhaltens an, das in Forschungsseminaren sich weiterzudenken lohnt bzw. einiges zu initiieren in der Lage ist.
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Grenzen der wissenschaftlichen Disziplin
Die Einheit des Wissens. auf dem Weg zu einem übergreifenden Verständnis
der menschlichen Natur
Wie das Denken im Kopf entstand: die Evolution des modernen Menschen
Ohne Trieb und Fähigkeiten
- Die vier Antriebskräfte, die hinter unseren Entscheidungen stehen
Der Erwerbstrieb
Der Bindungstrieb
Der Lerntrieb
Der Verteidigungstrieb
- Die Triebkräfte in Aktion
Wie die menschliche Natur im Kontext funktioniert
- Menschliche Natur und Gesellschaft
Die menschliche Natur im Organisationsleben
- Nachwort: Anregungen für weitere Forschungen
Für die erew BIBLIO-KOM Dr. Karl-J. Kluge