Neo-Noir Krimi im Stile der anonymen Krimihelden der dreissiger und vierziger Jahre.
Ich muss - trotz regen Krimikonsums - gestehen, der Autor war mir neu. Der Titel "Driver" und der kurze Klappentext erinnerte mich an den gleichnahmigen Film mit Ryan O'Neal und Isabelle Adjani. Obwohl eine andere Geschichte scheint die Figur des Titelhelden davon inspiriert. Wer den Film kennt, vor dessen geistigen Auge tauschen immer wieder Szenen des Films beim Lesen auf.
Der Inhalt ist schnell erzählt: Ein Stuntman für Autostunts in Hollywood, ohne Vergangenheit und langfristige menschliche Bindungen, fährt für Überfälle unterschiedlicher Gangster die Fluchtwagen. Bei einem fingierten Raubüberfall geht etwas schief. Er will die Beute seinen Verfolgern zurückgeben und in Ruhe gelassen werden. Die Gegenseite hält sich nicht an ihr Versprechen, und der namenlose Held muss sich rächen, um seinen äußeren Frieden zu finden.
Die kurze Geschichte mit 160 Seiten ist nicht kontinuierlich erzählt, sondern gewinnt ihre Spannung aus verschiedenen Teilgeschichten, die kapitelweise auf verschiedenen Zeitebenen miteinander verschachtelt sind und erst in den letzten Kapiteln zusammenlaufen. Der Fortgang der Handlung wird hauptsächlich durch lakonische Dialoge statt durch eine actionsreiche Erzählweise getragen.
Der Ende erlaubt Fortsetzungen mit diesem "Titelhelden", die sich auch in den letzten Sätzen des Buches ankündigen.
Das Buch ist für den Krimiliebhaber mit Vorliebe für hard-boiled Charaktere wie geschaffen. Man kann und sollte es am Stück lesen, weil ansonsten leicht den Faden verloren geht.
Das Buch macht jedenfalls Lust auf andere Bücher des Autors; Hinweise hierzu gibt es auf der Autoren-homepage. Zur Ergänzung einfach mal wieder in die Videothek gehen und sich "Driver" von vor ca. 25 Jahren ausleihen. Wie gesagt - die Geschichte ist eine andere, die Charaktere nicht "verwandt", aber bestimmt "verschwägert"