Einerseits ... ist die Oldenbourg-Grundriss-der-Geschichte-Reihe einer der besten Freunde, wenn es um rasche und konzentrierte Darstellung einer historischen Periode geht. Geschichte-Leistungskurs, Proseminarprüfungen: am gezieltesten findet man hier eine Darstellung der 'Fakten', der Forschungs-Problematik und eine Literaturliste.
Klaus Hildebrand kommt nun aus einer speziellen Richtung und betont beflissen das Wichtige seiner eigenen Ausrichtung: das ist eher die herkömmliche Diplomatiegeschichte. Darin (und durch gewisse Äußerungen im Historikerstreit selig) hat der Bonner Historiker sich seinen Namen erworben. Professor Hildebrand erweist sich auch in diesem Buch als überaus fleißiger Mensch, der strebsam zusammenträgt. Mag er ja, niemand sonst dürfte die traditionelle deutsche Diplomatiegeschichte zwischen 1871 und 1945 so überblicken.
Nur, das ist das Andererseits: die Oldenbourg-Reihe ist eigentlich nicht der Platz, um seine eigene "Schule" immer wieder im Text ein bisschen gegen Gegner zu positionieren, gerade mit dem eigentlich eher breiteren Ansatz, der der Reihe zu eigen ist. Das irritierte zumindest den Rezensenten, der bei diesem beflissenen Buch mit leichter Schlagseite daher ergänzend zur Balance die eher strukturelleren Betrachtungen von Winkler, Wehler, Mommsen empfehlen würde wie auch modernere Forschungen von Frei und vielen anderen. Das Exemplar ist, zugegeben und trotz seiner Verdienste, anlässlich eines Umzugs bei einer Stadtbücherei gelandet.