Partylöwen oder Partyfüchse? Die ausgebufften Franzosen von Nôze präsentieren mit "Dring" ein kunterbuntes und beizeiten auch etwas bizarres Tanzvergnügen. Die beiden House-Bauherren Nicolas Sfintescu und Ezechiel Pailhes liefern mit ihrem vierten Langspieler "Dring" einen weiteren intelligenten Anstoß für das Tanzbein. Auf neun Tracks zeigen sie vor allem Unwillen, sich in einer musikalischen Schublade versenken zu lassen. Mit funkigen Bass-Lines, Balkan-Bläsern, Ska- und Reggae-Klängen sowie jazziger Attitüde haben Nôze nun wohl auch den Pfad einer tatsächlichen Band eingeschlagen und sich vom rein digitalen DJ-Dasein scheinbar verabschiedet. Der Opener "C´era Una Volta" lockt bereits mit starkem Gypsy-Jazz-Groove hinaus in die Sonne. Nur im weitesten Sinne ist "Dring" noch ein synthetisches House-Album; sehr bezeichnend ist hier die Anzahl an Songs, die in Kooperation mit anderen Musikern entstanden ist. Es wirkt, als hätten die beiden Botschafter kompromissloser Unterhaltung ihre Ankündigung, ein 'seriöseres' Album zu machen, tatsächlich eingehalten. Das Interessante an "Dring" ist mitunter, dass es zeitweise gar nicht so unbeschwert daherkommt, wie man es von dem – ab und an auch einmal gerne im Adamskostüm das Publikum bespaßenden - Duo vielleicht erwarten würde. Besonders das experimentelle "Nubian Beauty" wie auch das folgende, wieder mit minimal-technoiderem Bass beginnende, in schönem Pianopart ausklingende - und schlicht und ergreifend sehr fette - "When Tiger Smoked" tönen schon fast ein wenig düster. Beim ersten Hören, erschließen sich diese Bausteine noch nicht unbedingt; nichtsdestoweniger sorgt "Dring" für einige Überraschungen und schafft als Ganzes doch sehr gekonnt trippige und verspielte Atmosphäre. Im überaus gemütlichen "Exodus" mit Wareika heißt es "If I Rule The World/The Sun Will Shine For You". Dafür, dass man hingegen auch auf gewohnte halbtrunkene und etwas pubertäre Anzüglichkeiten nicht verzichten muss, sorgt alleine schon der Rausschmeißer "Willi Willi" mit lyrischen Kreationen vom Kaliber "But you know, you need/A partner to touch your Willi Willi". Die Tatsache, dass nun auch mit kompletter Band aufgespielt wird, wirkt sich beim Langspieler durchweg positiv aus. Bei dieser Platte ist mit derartig viel Esprit und Aufgeschlossenheit für neue Ideen zu Werke gegangen worden, dass ein minder frisches Endprodukt auch recht unwahrscheinlich gewesen wäre. Insofern ist das halbseiden schmunzelnde Seriösitäts-Anliegen vollkommen erreicht: "Dring" ist der plattengewordene Salon-Anarchist. An quirliger Verspieltheit haben Nôze keineswegs verloren, nur wird sie nun anders kanalisiert. Das Resultat kann sich hören und betanzen lassen; es zeugt außerdem einmal mehr davon, dass beileibe nicht alles stumpf sein muss, was mit Party-Laune und Tanzwut für sich einnehmen möchte.
Kurzbeschreibung
Auf seinem vierten Album "Dring" läuft das Pariser Duo Nôze, das sich in den letzten Jahren mit seiner quirligen und skurrilen House-Revue Unmengen Fans in den Clubs dieser Welt erspielt hat, zu absoluter Hochform auf. Gereift und voller Raffinesse überschreiten sie darauf die Grenzen der Housemusik mit grandiosem Pop-Appeal immer weiter. Ezechiel Pailhès und Nicolas Sfintescu werfen mit größter Freude neben ihrem eigenen Musikvokabular auch die Regeln von Genres wie z.B. Cumbia, Klezmer oder Reggae über den Haufen. Nôze wurde im Laufe der Aufnahmesessions mehr und mehr zu einer wahren Band mit fließenden Grenzen. Ihre bunten, elektro-kosmopolitischen Entertainerkostüme haben sie gegen genauso gut sitzende Anzüge ausgetauscht. Dennoch bleiben Nôze ganz unverkennbar Nôze.