Driftwood ist ein grottenschlechter Film und ein Paradebeispiel dafür, wie gewaltig ein mieses Drehbuch ein Movie verhunzen kann.
An der rauen, irischen Steilküste liest eine Holzbildhauerin einen von der Flut angeschwemmten, ohnmächtigen Mann auf. Die Einsiedlerin pflegt den Mann, der ein Bein gebrochen und sein Gedächtnis verloren hat, in ihrer Hütte. Es kommt zur heißen Liebesaffaire, bis dem Mann langsam dämmert, dass er die ganze Zeit gegen seinen Willen eingekerkert wird.
Der Film hätte eine spannende Kombination aus Thriller und Liebesfilm sein können - Hätte! So wurden aber nur ganze Handlungsstränge aus bewährten Klassikern zusammengeklaut und lieblos zurechtgeschustert: der Grund-Plot „Kontaktgestörte Frau findet verletzten, hilflosen Mann und fesselt ihn an sich" kennen wir bereits aus „Misery". Unterhaltungen der Frau mit der toten, tyrannischen Mutter und die glotzenden Holzstatuen, mit der sich die Bildhauerin umgibt, erinnern fatal an das ausgestopfte Gruselkabinett aus „Psycho".
Auch die Liebesgeschichte ist extrem schwach: Man stelle sich das mal vor: der Mann hat seine Identität verloren, ist bis in seinen Grundfesten erschüttert, weiß nicht woher er kommt oder wo er eigentlich gelandet ist, hatte eben noch schwer mit sich gehadert, weil er nicht mal seinen Namen erinnert - aber entflammt im Nu beim Anblick der Bildhauerin, weil diese irgendwie dekorativ in der irischen Vorgarten-Landschaft herumsteht! Da kann ein James Spader mit seinen schönen Augen noch so intensiv gucken und noch so viel nackte Haut zeigen wie nie, die Story krankt psychologisch. Wer kein „Ich" hat, hat überhaupt kein Interesse am „Du", also auch nicht an Sex. Zuerst sollte ein Ereignis stattfinden, das das Ego des Mannes aufbaut, doch darauf wartet man vergebens.
Unlogischkeiten auch beim körperlichen Heilungsprozeß. Da überwintern die beiden Monate in der Einöde, und danach humpelt der Mann immer noch, wie frisch nach dem Unfall, mit Schienen und auf Krücken umher. Es ist diese Ansammlung von groben Schwächen, die ärgerlich machen, und dabei die tollen Landschaftsaufnahmen und das interessante Setting überdecken. Die beiden Hauptdarsteller James Spader und Anne Brochet sind vom Typ perfekt besetzt, doch die nichtssagenden Dialoge lassen rätseln, wieso es zwischen beiden funken soll.
Getoppt wird der Film nur noch von seinem eigenen, grausamen Kinotrailer, der alleine für seinen schmalzigen Pathos („Mann ohne Vergangenheit liebt Frau ohne Zukunft") 5 goldene Himbeeren verdient hätte.
Sonja Ohrendorf