Der Westberliner Fotograf, der jeden Tag den er nicht fotografiert als verlorenen Tag betrachtet, machte sich 1992 zum dritten Mal seit 1990 mit dem Zug auf nach Dresden. Für ein halbes Jahr lebte er in Dresden-Reick, in der "gnadenlos verwüstete(n) Stadt - inmitten der anmutigsten Landschaft -, die doch überall mit den steinernden Spuren ihrer einstigen Größe und Schönheit lockte". Von den damals vierhundert geschossenen Negativen beim Einfangen einer bedrohten Stadtarchi-tektur fanden leider nur fünfundfünfzig ihren Platz in einem durch die Kälte der Bilder einzigartigen literarischen Tagebuch. So manch Dresdner kann von diesem fränkischen Preußen Dresdner Wendezeit-Geschichte in Wort und Bild erfahren und erlernen. André Kirchner, geboren 1958 in Erlangen, seit 1981 in Berlin lebend, studierte klassische Philologie in München und Berlin, bevor er zur Fotografie zurückkehrte. Seine Fotografien sind in vielen öffentlichen Sammlungen präsent, z.B. in der Berlinischen Galerie, im Kupferstich-Kabinett Dresden und im Lenbachhaus München.