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Dresdner Interregnum 1991 - Ein Poem
 
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Dresdner Interregnum 1991 - Ein Poem

Werner Kohlert    Freigegeben ohne Altersbeschränkung   DVD
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 20,00 Kostenlose Lieferung. Details
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Regisseur(e): Werner Kohlert
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
  • Region: Alle Regionen
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • FSK: Ohne Altersbeschränkung
  • Studio: UAP Video GmbH
  • Erscheinungstermin: 15. Dezember 2009
  • Produktionsjahr: 2009
  • Spieldauer: 58 Minuten
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • ASIN: B0030XPSMO
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 45.658 in Filme & TV (Siehe Top 100 in Filme & TV)

Rezensionen

Kurzbeschreibung

Ein Film von Werner Kohlert, gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden.
"Als ich jetzt meine Filmaufnahmen von damals sah, war ich erschrocken und deprimiert. Ich hatte fasst vergessen, wie und wo wir gelebt haben. Es verschlug mir die Sprache." Werner Kohlert "Dresdner Interregnum 1991" ist ein einmaliges Dokument, das es so im Anliegen, Umfang und Ausführung in Ostdeutschland noch nicht gegeben hat. Ein Jahr lang, von 1990 bis 1991, filmte der Dresdner Kameramann, Autor und Regisseur Werner Kohlert, seine Stadt im Auftrage des Kulturamtes.

Dabei entstanden 6000 Meter Film, welche die Elbmetropole in der Zeit des Umbruchs und der Neufindung verewigten: das Grau der Innenstadt, die ersten Aufbrüche in die westliche Warenwelt, Ruinen der Neustadt, die schon dem Abriss geweiht waren bis hin zur Tristes der Neubausiedlungen am Rande der Stadt.

Rund 18 Jahre danach fasste Werner Kohlert seine Aufnahmen zu einem 60 minütigen Filmdokument zusammen, wohl wissend, dass jetzt die Zeit reif ist, um vergleichend, manchmal auch staunend auf die Metamorphose Dresdens zurückzuschauen. "Dresdner Interregnum 1991" regt zur Diskussion an, über den Wandel der Städte in Ostdeutschland im positiven, wie auch im negativen Sinne, fragt nach den Menschen, die die Stadt prägten und von der Stadt geprägt wurden und werden. Die Dokumentation erinnert an eine entschwundene Vergangenheit und schärft den Blick auf die Gegenwart. Das "Dresdner Interregnum 1991" wird begleitet von Zitaten des französischen Schriftstellers Charles Baudelaire und Musik von Oliver Messian.

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Tuuli
Zwischen 1990 und 1991 wanderte bzw. fuhr Werner Kohlert mit einer gestifteten Videokamera durch die sächsische Hauptstadt, um die damals noch allerorts sichtbaren Spuren der Verwahrlosung, des Verfalls, aber auch des Aufbaus zu Zeiten des DDR-Regimes festzuhalten.
Nun, knapp 20 Jahre später, ist von alledem in Dresden kaum mehr etwas geblieben. Die Schandflecken sind großteils verschwunden, Ruinen abgetragen, Baulücken geschlossen und die alte barocke Herrlichkeit der Altstadt samt Frauenkirche erstrahlt längst wieder in altem Glanz. Umso stärker die Wirkung, die Werner Kohlerts Film heute haben muss, sind doch Schönheit, Pracht und Vielseitigkeit für Bewohner wie Gäste der Elbe-Metropole längst Normalität geworden, erinnern sich nur jene jenseits der 30 noch an das Antlitz der Stadt zu jener zweifelhaften Zeit vor über 20 Jahren:
Überall Ruinen, die noch halbwegs intakte Bausubstanz schutzlos dem Verfall überlassen, Kriegsbrachen und Innenhöfe, die langsam aber sicher vermüllten, Dachwohnungen, in denen es durchregnete, marode Gas- und Stromleitungen. Das Schloss und die Innenstadt- großteils das reinste Trümmerfeld: Werner Kohlert hat dies alles schonungslos eingefangen.

Interregnum strahlt über weite Strecken eine niederschmetternde Tristesse aus, die Zeichen des Verfalls - gerade in der Innenstadt und der äußeren Neustadt - sind einfach zu gravierend, ein zu starkes Konstrastprogramm zu heutigen Schönheit und Raffinesse dieser Viertel. Für mich als Ur-Dresdner weckt der Film aber auch Kindheitserinnerungen, spätestens dann, wenn plötzlich Fenster und Balkon jener Wohnung in der Neustadt vor meinem Auge auftauchen, in der ich meine Kinderzeit verlebte, eine weitgehend sorgenfreie, erlebnisreiche Zeit, an die ich viele schöne Erinnerungen habe, die mit dem desolaten Zustand der Umgebung eng verwoben sind. Verrümpelte Hinterhöfe, Ruinen, alte Dachböden und Schuppen - das waren unsere Spielplätze.
Ein weiterer Abschnitt des Filmes widmet sich dem Neubaugebiet Dresden-Gorbitz, und somit einer weiteren Station meiner Jugend. Statt die vorhandene Bausubstanz instand zu setzen, zogen es die DDR-Oberen vor, außerhalb großflächig einzugemeinden und neu zu bauen. Das Resultat: trostloser Mietkasernen-Charme zwischen Schlammhügeln und Bauschutt.

Einigermaßen störend empfand ich am Film die doch sehr gewöhnungsbedürftige, streckenweise arg melancholische Hintergrundmusik. Während die Stimmung der Bilder zwischen der doch zumindest ansatzweise vorhandenen Noblesse der Inner City, dem Grün des Alaunplatzes, den Gründerzeitbauten der Neustadt und der Tristesse des Beton-Gettos wechselte, blieb die Hintergrundmusik immer gleich, getragen von einer trauermarsch-ähnlichen Grundstimmung, unterbrochen von einzelnen apokalyptisch anmutenden Heultönen, bei denen einem kalt der Schweiß ausbrach. Mir persönlich hat das eine depressive Stimmung verursacht, die im Widerspruch zu den vielfältigen, gemischten Erinnerungen stand, die die Bilder in mir auslösten. Auch die regelmäßig wiederkehrenden Unterbrechungen durch die eingespielten Baudelaire-Zitate wirkten etwas fehl am Platze in dem ansonsten in ebenmäßiger Abfolge dahinströmenden Zug von Bildern, obgleich sie inhaltlich sehr gut auf die Bilder abgestimmt sind. Vielleicht hätte man es bei eingeblendeten Untertiteln ohne narratives Element belassen sollen.

Allemal aber ist der Film eine bewegende Reise in die Vergangenheit für Alteingesessene sowie ein selten gewordenes, geöffnetes Fenster mit Blick zurück für all jene, denen der Zustand dieser schönen Stadt zu DDR-Zeiten nicht geläufig ist.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von J. Jetz
Zunächst möchte ich sagen, dass ich kein Dresdner bin, die Stadt aber gut kenne.
Der Film Dresdner Interregnum zeigt in 58 Minuten das Dresden des Jahres 1991, kurz nach der Wende.
Wenn man sagt, dass Dresden vor 1945 in seiner höchsten Blüte stand, dann sieht man hier Dresden - infolge des Versagens des DDR Regimes - zum Zeitpunkt seines größten Verfalls. Der Film ist also ein einmaliges Geschichtsdokument.

Aber er ist mehr als das, er ist auch ein Kunstwerk. Die Bilder laufen zu klassischer Musik (u.a. von Schubert), die perfekt zu den tristen Bildern des Verfalls passt. Die Musik ist zwar in der Tat sehr melancholisch, ich empfinde sie aber ganz im Gegensatz zu meinem Vorredner nicht als depressiv. Da gibt es noch viel schwärzere und morbidere Titel. Dresdner Interregnum - ein Poem, wird seinem Titel gerecht: Die Bilder werden eingebettet in Gedichte des französischen Lyrikers Charles Baudelaire - vorgetragen von einer Dame mit französischem Akzent - die die Stimmung perfekt reflektieren und dem Film eine wahrhaft künstlerischen Akzent verleihen. Das Ansehen lohnt sich schon fast aus diesem Grund. Wirklich schade, dass dieser wichtige Film nicht bekannter ist.

Inhaltlich gliedert sich der Film in mehr oder weniger klare, aber fließend ineinander übergehende Kapitel, die alle Facetten der Stadt zeigen. Zunächst wird die stark ramponiete Silhouette gezeigt, ohne Hausmannsturm und Frauenkirche. Dann folgen Bilder der Baustelle Wiener Platz, der verfallenen Prager Straße, des zur Brache mit einzelnen Buden mutierten Postplatzes. Bei den Bildern vom Altmarkt spürt man aber auch den Aufbruch dieser Jahre. Die Menschen kaufen Waren, wuseln sich durch die Marktstände. Besonders wertvoll dann die Bilder vom Neumarkt: Die Trümmer der Frauenkirche, kein einziges Bürgerhaus, kein Coselpalais, dafür ein monströser Plattenbau, die vermoderte Kunstakademie, überall Verfall... Es folgen noch die Äußere Neustadt mit ihren zu Müllkippen mutierten Hinterhöfen, die verfallene Innere Neustadt, das mehr oder weniger im Dreck stehende Plattenbauviertel Gorbitz, sowie das heruntergekommene Loschwitz und Blasewitz, ehe der Film positiv mit positivem Schlußakzent endet.

Ist das Dresdner Interregnum ein trauriger Film? Zumindest ich als Nichtdresdner kann das verneinen. Im Gegenteil: Ich finde der Film macht einem erst so richtig bewusst, wie schön die Stadt wieder geworden ist und wie viel doch in nur 20 Jahren erreicht wurde. Das betrifft die bessere Infrastruktur, den gestiegenen Reichtum der Menschen (im Film sieht man fast nur Trabbis und billige Autos), die Schönheit der Natur. Zwar mag das Vorkriegsdresden noch schöner gewesen sein, aber eines ist auch sicher: Das heutige Dresden ist viel lebens- und liebenswerter als der triste, graue Verfall vor 20 Jahren. Man kann die Stadt für diese wunderbare Entwicklung nur beglückwünschen.
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