Noch bevor ich wusste, wer da im einzelnen spielt, war ich gefangen. Jan Garbarek erkenne ich natürlich an der Art und Weise, wie er spielt, schätze ihn seit eh und je. Aber was anderes als Augen zu, zuhören und genießen geht gar nicht. Es gibt wohl niemanden, der so schön (ich sage absichtlich nicht: so gut) Saxophon spielt wie Jan Garbarek. Was ihm immer für Melodien einfallen: so einfach, so klar, und doch so profund (z.B. "Maracuja")! Mein sicherlich etwas gewagter Tip: Allein seine Interpretation von Milton Nascimentos "Milagre Dos Peixes" lohnt schon den Kauf.
Aber erst kommt ja noch CD 2. Und da zeigt Bassist Yuri Daniel, dass er zur Elite zu zählen ist; er setzt wunderschöne, flockige und leise Akzente, die ein wenig an Jaco Pastorius erinnern, aber auf dezentere Art. Zu richtiger Höchstform läuft Rainer Brüninghaus auf ("The Reluctant Saxofonist", "Transformations"). Ein wenig erinnern mich die Duette mit J.G. in ihrer einsamen Qualität schon an die Alben der 70er Jahre (Belonging, My Song) mit Keith Jarrett, wenngleich Brüninghaus ganz anders spielt als dieser. Unnötig zu erwähnen, dass Drummer Manu Katché seine erstklassige Rhythmusarbeit so souverän erledigt, dass es auch Spaß macht, nur ihm allein zuzuhören.
Wunderbares Album, schönste Musik, melodisch, meditativ, auch schon mal heftiger zu Werke gehend, weckt große Gefühle und fängt Dich ein. Ein Höhepunkt nach dem anderen. Und wie immer erstklassiger Klang.